19. April 2009

Hallihallo mal wieder,

 

Diesmal melde ich mich mal wieder ein bisschen rechtzeitiger.

Es ist Sonntagmorgen und wir vertrödeln den Tag ein bisschen damit sauber zu machen, Wäsche zu waschen und ein paar Mails und Briefe zu schreiben.

Eben gerade hat es wie aus Kübeln gegossen und jetzt steht der Hof komplet unter Wasser. Doch dafür ist es angenehm kühl. Leider sind wir beide voll angeschlagen…Halsschmerzen, Schnupfen, Husten…die ganze Mucke.

Doch heute Abend sind wir mal wieder zu einer Hochzeit eingeladen. Können uns also ein bisschen vom Kranksein ablenken.

Morgen fängt für mich ein ganz neuer Alltag an. Ich höre auf in der Mtoni-Schule zu arbeiten und fange dafür in Rebeccas Schule an.

Zur Erklärung muss ich wohl ein bisschen weiter ausholen.

Vor ca. zwei Wochen kam eine Freundin von einem unserer Vereinsleute aus Deutschand um mir mit meiner Resident zu helfen…ja, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben! Durch ein paar gute Kontakte saßen wir bald im Büro eines richtig hohen Immigration Beamten. Der Anfang war ziemlich schwierig. Er verstand einfach nicht, warum meine Schule mir nicht half, die Resident zu bekommen. Doch irgendwann merkten wir, dass er eindeutig auf unserer Seite war und er einfach nur geklärte Verhältnisse wollte. Also gab ich ihm die Nummer von meinem Chef. Ich versprach mir wirklich nicht viel von diesem Gespräch, da ich nicht erwartete von ihm Unterstützung zu bekommen. Doch er übertraf sich sogar selbst noch, als er am Telefon behauptete, ich würde nicht für die Schule arbeiten, wäre nur einmal dagewesen, um mich ein bisschen umzuschauen und wäre eigentlich als Tourist hier. Soviel Dreistheit hätte ich dann doch nicht erwartet und mir ist erstmal die Kinnlade runtergefallen. Doch dann hab ich dem Immigration Typen die Nummer von meiner Gastmutter (welche auch in der Schule arbeitet) und meiner Lehrerin gegeben und beide haben mich in höchsten Tönen gelobt und bestätigt, dass ich sehr wohl in der Schule arbeite. Nachdem ich auch noch ein Telefongespräch zu einem unserer Vereinsleute hergestellt hatte, waren endlich alle Zweifel aus dem Weg geräumt und man verprach uns, dass das mit der Resident auf jeden Fall klappen würde. Allerdings fehlten immer noch ein paar wichtige Informationen von meinem Arbeitgeber.

Als ich dies mit meiner Organisation besprach, entschieden wir, dass ich in Rebeccas Schule anfange, um alle wichtigen Unterlagen zu bekommen. Außerdem sei es wichtig, dem Chef von Mtoni zu zeigen, dass sein Verhalten absolut nicht in Ordnung ist. Der ganze Papierkram war dann kein Problem mehr und nach ein paar weiteren Immigrantion-Gängen habe ich den Ausstellungsschein nun endlich in der Hand. Jetzt kann nichts mehr schief gehen und es ist nur noch eine Frage der Zeit. Nach neun verdammten Monaten hat der ganze Scheiß jetzt eine Woche gedauert…kanns echt nicht fassen. Doch wenn ich Glück habe stellen sie mir die Permit für zwei Jahre aus, somit ist meine Rückkehr, zumindest was die Einreise angeht, gesichert :-) !!!!

Letzten Donnerstag hatte ich dann auch meinen letzten Tag in Mtoni. Es war irgendwie nichts besonderes. Hatte ein bisschen Kuchen mit und bin die ganze Zeit rumgerannt und hab mich von allen möglichen Leuten verabschiedet. Für die meisten kam es sehr überraschend, dass ich schon so früh gehe. Ich glaube, die Kinder haben das auch garnicht verstanden und somit denken jetzt wahrscheinlich zumindest die Kinder meiner Klasse, ich würde am nächsten Monat wieder in der Klasse stehen. Doch ich habe mir fest vorgenommen, noch ein paar Mal vorbei zu kommen. Einfach um die Kids auch noch mal zu sehen.

Im Grunde genommen hatte ich mich mit der neuen Situation ganz gut abgefunden. Ist ja immerhin auch ne neue Chance, neue Erfahrungen in der neuen Schule, etc. Und vor allem bin ich echt stink sauer auf meinen Chef und sehe garnicht ein, dass ich für den Typ noch irgendwas mache. Doch die Kids hab ich echt geliebt. Es macht so ungaublich viel Spass mit denen zu arbeiten. Sie haben mir soviel gegeben und mich manchmal so glücklich gemacht, wenn es mir wegen irgendetwas schlecht ging. Und selbst, wenn mich bestimmte Sachen in der Schule immer wieder angekotzt haben…ich hab es nie bereut, mich für das Projekt entschieden zu haben.

Na ja, jedenfalls geht’s morgen in die neue Einrichtung. Ich schwanke noch ein bisschen zwischen Vorfreude und kein Bock. Doch ich werde mich da einfach mal ein bisschen umgucken, mit Rebecca ein bisschen mitlaufen und sie in ihrer Arbeit unterstützen. Zusammen lässt sich sicher auch noch mal viel mehr machen, als allein. Wir haben auch schon ein paar gute Ideen für den Sportunterricht, den sie gerade erst mit viel Mühe durchgesetzt hat.

Und in zwei Wochen kommt ja auch schon Therese und dann wird erstmal sowieso alles anders und der Alltag wird ein bisschen in den Hintergrund rücken. Und den Juni haben wir dann erstmal frei und werden die letzten Winkel Tansanias erkunden. Das wird auf jeden Fall noch mal richtig geil.

Ansonsten haben wir jetzt auch endlich die Homepage für unser ‘Mwanza-Projekt’ fertig.

Für alle Interessierten: www.mountzionkids.npage.de

So, ich werde dann erstmal wieder Schluss machen. Wollte euch nur ein bisschen auf den neuen Stand bringen.

Liebe Grüße, eure Romy

 

                                               

                                                                                       Samstag, 25. April 2009

 

Ja, ich hab es immer noch nicht geschafft, den Bericht reinzustellen, doch dafür kann ich jetzt  noch was hinzufügen.

Seit gestern hab ich meine Resident! Zwei Jahre! Ein einzieges Blatt Papier…

Konnten das gestern Abend auch gleich noch ein bisschen feiern,  da wir für einen Freund aus unserer Schule (also meine neue Einrichtung: ‘Atlas Primary School’) den Geburtstag vorbereitet haben. Da er zu seinem Geburtstag nichts vor hatte, hatten wir beschlossen, ein bisschen bei uns zu feiern. Wir haben gekocht (Nudeln und Tomatensauce…wenn die Deutschen etwas kochen können, dann ja wohl das) und Kuchen gebacken, er hat Wein mitgebraucht. Zum Glück hatten wir noch ein paar Freunde von uns eingeladen, da das Geburtstagskind ziemlich schnell mit seiner neuen Flamme in meinem Zimmer verschwand :-) . Es war wohl eine einmalige Gelegenheit für Zweisamkeit. Wir in Deutschland haben da ja meistens alle Freiheiten, doch hier gibt es kaum Gelegenheiten und Orte, an denen man sich mit seinem neuen Partner treffen könnte. Und nach Hause kann man mit ihm/ihr sowieso auf keinen Fall gehen. Es gibt hier sogar bestimmte Gassen, in denen man abends im Schutz der Dunkelheit die Pärchen, eines nach dem anderen, stehen und knutschen sehen kann. Alles heimlich und versteckt. Ist schon traurig, wenn man drüber nachdenkt.

Na ja, eigentlich wollten wir gestern abend auch noch tanzen gehen, doch dann waren wir alle so vollgefressen von Pasta und Kuchen, dass die Bewegungsmotivation schnell in Schläfrigkeit wechselte.

 

Neuer Schulalltag

In der neuen Schule läuft es soweit ganz gut. Es ist nicht so schwer, sich einzugewöhnen. Die Schule ist von unserem Zuhause nur 5min zu Fuß entfernt und viele der Lehrer kenn ich schon durch Rebecca. Im Moment bin ich noch dabei ein bisschen rumzugucken. Doch ich denke, es wird dabei bleiben, dass wir mal hier, mal dort was machen und nicht in einer Klasse bleiben, sowie ich es in Mtoni hatte. Es ist auch längst nicht so einfach, sich einfach in irgendeine Klasse zu stellen und zu unterrichten. Die Klassenstärke beträgt im Durchschnitt so um die 50 Schüler. Das heißt, man braucht dann auch unglaublich vielel Materialen, will man nicht nur dem Lehrplan nachrennen und auch mal was anderes machen. Außerdem ist unsere Autorität nicht besonders groß. Man hat halt immer eher einen Kumpel-Status, wesshalb die Kids einen manchmal nicht wirklich ernst nehem, wenn es darum geht, sie zur Ruhe zu bringen. Dazu kommt, dass das Schlagen und Demütigen in der Schule zu den pädagogischen Maßnahmen der Lehrer zählt (habe es bis jetzt noch nicht selbst erlebt, doch von Rebecca schon so einiege Schauergeschichten gehört) und da wir nun mal keinen Stock in die Hand nehmen, scheren sich die Kinder einen Scheiß um unser Gelaber :-) ! Na ja, ich muss halt mal noch gucken, wo ich eine Lücke finde, in der ich etwas machen kann. Und zu zweit ist ja auch nochmal einiges mehr möglich.

Letzte Woche waren wir zum Beispiel auch mit drei Klassen auf einem großen “Sportplatz“ in der Nähe. Es waren unglaublich viele Kinder auf einmal und es ist unmöglich alle zusammen zu beschäftigen. Doch während die Lehrer die großen Gruppen beschäftigt haben, nahmen wir uns alle, die so rumstanden und haben mit denen Staffelspiele gemacht. Es ist unglaublich, wie die Kinder abgegangen sind. Sie waren total begeistert und wollten garnicht mehr aufhören. Ich war total begeistert davon, wie einfach es ist, den Kinder was auf Englisch zu erklären (da es eine Privatschule ist, wird mit den Kinder nur auf Englisch geredet). In Mtoni musste ich immer alles auf Swahili machen und selbst dann war es oft schwierig den behinderten Kindern begreiflich zu machen, was ich von ihnen will. Leider fing es irgendwann an, aus Kübeln zu schütten, wehalb wir den Sportunterricht früher abbrechen mussten. Die Kinder störte das garnicht. Sie rasteten völlig aus, rannten und tobten im Regen rum, schrien und lachten. Es war so schön zu sehen. Schließlich mussten wir aber doch alle wieder zur Schule zurück bringen, wo die Kinder, einmal vom Zauber des Regens ergriffen, garnnicht in den Klassen zu halten waren.

Völlig durchnässt aber superglücklich saßen Rebecca und ich auf der Terasse der Schule und wartete auf das Essen. Es ist unglaublich wie ansteckend Kinderfreude ist!!!

 

Vor ein paar Tagen haben wir uns mit einer Lehrerin der Schule unterhalten. Hier in Tansania ist es möglich, auch ohne eine Lehrausbildung, nur mit dem eigenen Wissen, an Schulen zu unterrichten. Viele jungen Leute machen das, um sich für ein paar Jahre Geld zu verdienen um danach zu studieren. Natürlich ist das Gehalt dieser ‘Aushilfslehrer’ ein Witz (selbst der Lohn, den die ausgebildenen Lehrer bekommen ist nicht ernst zu nemen). Und um sich ein paar Shilling dazu zu verdienen, gibt diese eine Lehrerin nachmittags noch Nachhilfeunterricht. Pro Schüler pro Stunde 5000Sh.  Wenn man das mit deutschne Verhälltnissen vergleicht, ist das ein Witz!

 

Vor zwei Tagen haben wir übrigens unseren Rückflug gebucht. Es ist noch nicht ganz fest, doch wahrscheinlich halten wir bald die Bestätigung in der Hand…das ist ein so komisches Gefühl. Ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist.

Maerz 2009

 

Liebe Freunde und Verwandte,

 

nun versuch ich wieder einmal, ein paar vernünftige Worte auf’s Papier zu bringen. Ich weiß nicht, warum es mir zur Zeit so schwer fällt. Vielleicht liegt es daran, dass wir zum größten Teil Alltag haben, der sich vor allem um die Arbeit in den Schulen dreht. Und die ganzen kleinen Erfahrungen, und Eindrücke, die man immer wieder zwischendurch macht, sind so schwer zu fassen.

Aber ich versuchs mal.

 

Sansibar

Es ist Sonntag und seit heute früh sind wir, nach einem einwöchigen Abstecher nach Sansibar, zurück in Dar. Ich habe mich wieder einmal sehnsüchtig von der Insel verabschiedet. Irgendwie zieht mich diese arabische Märchenwelt in ihren Bann. Ist doch krass, dass eine andere Kultur einem so fremd vorkommt, dass man das Gefühl hat, man steckt in einer Geschichte voller Geheimnisse, die es zu entdecken gilt. Dabei ist das, was ich als exotisch und abenteuerlich empfinde, für die Menschen dort Alltag und völlig normal. Ich will nicht wissen, was die denken, wenn irgendwelche Touris Gewürzberge fotografieren und mit ihren neugierigen Blicken in jeden Hauseingang stieren. Sicher fühlen sich viele Menschen davon auch gestört, doch der Tourismus ist schon extrem wichtig für die Insel. Eigentlich bin ich nicht so ein Tourismusfreund (aus wirtschaftlicher oder entwicklungstechnischer Sicht), doch ich sehe ja, wie abhängig die Menschen dort davon sind, wie es sie weiterbringt und wie schön auch ich es finde, einzutauchen in diese fremde Welt. Und abgesehen davon, dass es so einige fette Hotelanlagen dort gibt, über die wir so den Kopf schütteln (ich war schon auf den unglaublichsten Toiletten pinkeln…obwohl es doch nur ums Wasserlassen geht, werden manche Klos so ausgestatten, als müsste man von der Klobrille essen), sind viele Restaurants und auch Hostels in Stone Town wirklich mit Stil aufgebaut und fügen sich perfekt in das arabische Flair ein.

Zum Glück können wir mittlerweile doch schon immer mehr Swahili, wodurch es uns gelingt, uns nicht ganz so touristisch zu fühlen. Und es ist auch viel einfacher, an die Menschen ranzukommen. Man begegnet ihnen gleich auf einer ganz anderen Ebene und beide Seiten können sich mit anderen Augen sehen. Das hoffe ich zumindest!

Für eine Nacht haben wir eine Freundin besucht, die sich in einem Dorf im Süden gerade ein kleines Haus baut (Die war mal für ein Jahr als Volunteer auf der Insel und hat sich so darin verliebt, dass sie sich jetzt eine Existenz dort aufbaut. Dabei steckt sie auch noch mitten im Studium.). Eigentlich wollten wir auch länger dort bleiben, doch als dann wieder die Magenprobleme losgingen und mich meine Blase fast umgebracht hat, keine Ahnung, was ich mir da eingefangen habe, wollten wir doch wieder in die Nähe einer Apotheke und vor allem zu einem ‘Sitzklo’ (und nicht nur Loch) mit Spülung und Klopapier, was bei Durchfall und Magenkrämpfen schon angenehmer ist.

Also sind wir nach einer Nacht doch wieder nach Stone Town gefahren. Was aber kein Übel ist. Immer wieder gibt es Sachen zu erfahren und kennenzulernen. Nur die Hitze machte uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Da muss man schon ganz afrikanisch gelassen werden und sich nicht darüber aufregen, dass man nach drei Stunden rumlaufen so fertig ist, als wäre man einen Marathon gelaufen. Und zur Mittagshitze bis in den frühen Nachmittag rein, schließen auch die meisten Läden, die Menschen verschwinden in die Kühle ihrer Häuser oder man sieht sie auf Matten vor den Türen liegen und schlafen. Für ein paar Stunden scheint alles zu einer trägen Masse zu verschmelzen, die erst in den frühen Abendstunden wieder zum Leben erwacht. Also war dann auch bei uns Siesta angesagt.

Der Abschied gestern Abend vor der Fähre hat mich irgendwie melancholisch gestimmt. Wir saßen noch eine Weile auf der Dachterasse unseres Hostels, haben in den endlosen Sternenhimmel Ostafrikas geschaut und auf all die fremden Geräusche gelauscht. Immer wieder merke ich, wie die arabisch/muslimischen Gegenden eine ganz eigene Ruhe ausstrahlen. Eine angenehme Distanziertheit geht von den Menschen aus und alles scheint in einem ewig wiederkehrenden Rhythmus zu funktionieren: die Mahlzeiten, die Arbeit, die täglichen Gebete (fünf mal täglich!). Vielleicht ist  das auch völlig falsch, da ich einfach nicht genug Ahnung habe. Also bitte nicht meckern :-) bin ja noch klein!

Ich hab erfahren, dass die Schulbildung auf Sansibar eine der schlechtesten in Afrika sein soll. Da das muslimische Leben und vor allem die muslimische Ausbildung als viel wichtiger eingestuft wird und oftmals vor die ‘weltliche’ Schulbildung geht. Vor allem für die Frauen bzw. Mädchen ist es glaub ich noch viel schwieriger, da ihre Rolle schon viel früher eingeschränkt ist.

Richtig interessant ist aber auch die Geschichte Sansibars die sich ja auch auf die gesamte Geschichte Ostafrikas ausbreitet. Von den ersten Händlern aus Indien und Arabien, den Seefahrern, dem Beginn des Handels, die Entstehung des Swahilivolkes an der Afrikanischen Küste bis hin zu den englischen und deutschen Einflüssen die sich in den DDR-Plattenbauten in Stone-Towns-Neustadt widerspiegeln. Wie viele Einflüsse sich bis heute in Sansibar niedergelassen haben wurde uns auch bewusst, als wir auf der Dachterasse unseres Hostels saßen und sich ein Musikwirrwarr von arabischen Moscheeklängen, Reggae  und HipHop über die Stadt zog. Von überall her schallt eine andere Musik des Lebens. Das gibt doch irgendwo ein hoffnungsvolles Gefühl für die Zukunft

            Als ich dann auf der Fähre stand und noch voll lange auf die Lichter Stone-Towns blicken konnte, war wieder einmal klar, ich komme wieder!

 

Bekanntschaften

Mir fällt auch immer wieder auf, wie unglaublich viele interessante Menschen wir hier schon kennengelernt haben. Natürlich viele Tansanier, aber auch andere Freiwillige, Leute die schon länger hier leben und arbeiten, etc. Mit den meisten bleibt es eher auf einer ‘Bla-Ebene’ doch zwischendurch gibt es immer wieder Menschen, mit denen man sofort auf einer Welle schwimmt. Durch die ich irgendetwas lernen kann, die mir Inspirationen, Mut und Freude geben.

Immer wieder merke ich, wie glücklich ich darüber bin, die Chance zu haben, so viele verschiedene Menschen kennen zu lernen. Ich bin so dankbar für all diese Begegnungen. Das bedeutet so viel Inspiration für das eigenen Leben. Vielleicht sehe ich denjenigen nie wieder, doch er hat mir etwas ganz Bestimmtes gegeben,. Und mit der Zeit sammeln sich da so unglaublich viele Eindrücke, Meinungen, Ideen, etc., dass es mir vorkommt, als wäre die Welt ein einziges Paradies der Möglichkeiten, dieses Leben zu leben. In dieser Euphorie gibt es oft keine Probleme und Einschränkungen, welchen jeder Mensch (jeder auf seine Weise) unterlegen ist. Doch auch, wenn es sicher eine naive und leichtsinnige Sicht auf die Dinge ist, so gibt sie doch Kraft und gibt mir manchmal das Gefühl unendlich frei zu sein. Und das ist schon ein großes Glück, welches längst nicht allen Menschen auf der Welt vergönnt ist!

Doch ein bisschen wurde meine Energie wieder zusammengestaucht, als wir in Daressallam ankamen. Wieder einmal habe ich gemerkt, dass diese Stadt nicht mein Ort ist. Es ist einfach keine schöne Stadt und auch kein schöner Ort zum leben! Alles was man hier macht ist anstrengend, immer ist es laut und dreckig…wie oft habe ich das schon erzählt! Die Menschen kommen nicht hier her, weil es so schön ist hier zu leben, sonder es geht eben nur um das eine: Geld.

Doch auf Dauer stresst mich der Aufenthalt hier einfach. Da sehne ich mich nach einem schönen Flecken Natur, wie wir sie hier viel zu wenig haben. Es kostet mich immer wieder Kraft mich auf die Stadt einzulassen und nicht alle zwei Minuten wegen irgendeinem kleinen Scheiß agro zu werden. Das ist eine Erfahrung, die ich nicht erwartet hatte zu machen, die jetzt unangenehm ist, doch die einfach auch dazu gehört.

Zum Glück geben einem die Menschen hier unglaublich viel. Manchmal komme ich hier zu Hause an, bleibe hier und da stehen, grüße alle möglichen Menschen und ein bisschen nettes Bla Bla dazu und es macht einfach nur glücklich.

 

Mwanza

Bevor wir nach Sansibar aufgebrochen sind, kam uns noch der Dr. Andrew aus ‘Mwanza’ besuchen. Uns ist es tatsächlich geglückt einen Freiwilligen klarzumachen, der in diesem Jahr mit unserem Verein über Weltwärts nach ‘Mwanza’ geht und dort für ein Jahr als Freiwilliger arbeitet. Es ist eigentlich so unglaublich, wie einfach und schnell das geklappt hat. Und es macht uns unglaublich glücklich, dort helfen zu können. Mit dem Dr., der das Straßenkinderprojekt ins Leben gerufen hat, stehen wir in gutem Kontakt und hatten hier in Dar und auch noch in Sansibar genug Zeit mit ihm gehabt über die Situation und die Zukunft des Waisenhauses zu sprechen. Einerseits ist dem Projekt durch die Weltwärtsgelder, die der Freiwillige mitbringen wird, schon echt geholfen. Und das ist echt das wichtigste. Doch die Arbeit an dem Projekt gibt auch uns Mut und Kraft. Denn über ein Jahr hinweg ist es immer wieder schwierig, Sachen zu finden, bei denen man das Gefühl hat, vielleicht doch etwas verändert zu können. Keiner von uns beiden ist mit einer Weltverbesserer-Einstellung losgefahren. Doch wir waren schon auch davon überzeugt, dass es irgendwo mal etwas bringen wird, dass wir hier sind. Doch es ist schon sehr schwierig diese kleinen Sachen zu finden und die Suche danach bringt immer wieder Frustration. Weil man irgendwann einfach feststellt, wie vielschichtig und komplex so ein Entwicklungsprozess ist. So bin ich auch ganz schnell auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Und dass, obwohl mir auch vorher schon bewusst war, dass dieses Jahr mehr meiner persönlichen Entwicklung dient als den Menschen hier. Doch die innere Motivation nach Veränderung und Verbesserung für das Leben der Menschen hier stößt vor allem bei mir gegen die ‘pole-pole-Einstellung’ Afrikas. Dazu kommt, dass ich immer im Nacken habe, dass ich deutsche Entwicklungsgelder ‘in der Tasche habe’ und mein Aufenthalt hier auch von diesen finanziert wird. Doch man muss irgendwann einen Kompromiss für sich finden, ansonsten geht einem die Kraft und Motivation verloren. Und für mich habe ich einfach festgestellt, dass jeder Weg und jedes Vorhaben (auch in der Entwicklungsarbeit) ja irgendwo einen Anfang hat. Und dieser Anfang bedeutet hier vor allem auch viel Zeit zu haben um zu erfahren, zu verstehen, und zu kritisieren. Und ‘Mwanza’ ist ja schon fast ein Schritt weiter und gibt uns ein bisschen das Gefühl, nicht ganz um sonst hier zu sein.

Ich habe auch endlich eine Lösung für meine Weltwärtsgelder gefunden. Eigentlich sind diese Gelder ja als Spenden gedacht. Für das jeweilige Projekt, indem man arbeitet. Doch ich habe schnell gemerkt, dass es den Kindern in meiner Schule doch ziemlich gut geht und die Schule kaum Geldprobleme hat. Vielmehr ist es so, dass unglaublich viele Materialien in irgendwelchen Ecken vergammeln und nicht benutzt wurden. Ich konnte mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, dort so viel Geld zu hinterlassen, nachdem ich sehe, wie viele Orte es hier gibt, an denen das Geld viel nötiger gebraucht wird. Wo es nicht um den Zwanzigsten Rechenschieber geht, den die Kinder eh nicht benutzen können, sondern um die Sicherstellung der täglichen Mahlzeiten. Jetzt habe ich klargemacht, dass ich meine Gelder nach ‘Mwanza’ schicken kann. Und damit kann ich mich sehr gut arrangieren!!!

 

Ja, was steht noch so an?

 

Resident!

Johann (einer unserer Vereinsleute) hat mir den Kontakt zu einer Freundin aus Deutschland gegeben, die jetzt mittlerweile in Tansania ist. Die arbeitet hier auch mit Freiwilligen und hat irgendwelchen ’super Kontakte’ (obwohl sie das alle sagen) zu jemandem von der Resident. Die wollen jetzt versuchen meine Dokumente mit den Unterlagen ihrer Freiwilligen zusammen zur Immigration zu bringen. Ich steh schon mit ihr in Kontakt und sie meint, dass das auf jeden Fall funktioniert. Und da sie ja Deutsche ist, glaub ich ihr das sogar…au weia, ist ja nicht so ganz korrekt…aber die Leute labern hier halt gerne mal irgendeinen Scheiß!

 

Dar

Na ja, hier in Dar ist auf jeden Fall alles fit! Nur scheiße heiß ist es…reicht langsam auch echt! Ich will Regen…doch wahrscheinlich stell ich mir das idyllischer vor, als es ist. Wenn diese Müllstadt erstmal unter Wasser steht, kommen wir hier wahrscheinlich garnicht mehr aus dem Haus.

Mittlerweile läuft es mit den Leuten hier auch richit gut. Ich weis noch, wie sehr ich am Anfang die guten Gespräche in Deutschland vermisst habe. Das ist längst nicht mehr so!

Interessant ist, das wir hier Leute aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten kennen. In Deutschland ist es ja meist so, dass man mit Leuten abhängt, die auch aus der selben Schicht kommen, wie man selber auch. Hier kennen wir Leute, die so gut wie gar kein Geld haben aber auch Leute, die in Häusern wohnen, wie ich sie selbst in Deutschland noch nie betreten habe. Vor einer Weile ist mir dann mal aufgefallen, wie krass das eigentlich ist, dass wir sozusagen in die verschiedensten Ecken der Gesellschaft Einblick haben. Wir kommen von außen und können das ganze System überblicken, ohne selber irgendwo dazuzugehören und können somit das Ganze auch von außen betrachten. Das hört sich jetzt ganz schön abgehoben an, doch irgendwie ist es ja so. Klar stehen wir mittlerweile auch längst nicht mehr so weit weg (außen), wie es am Anfang war. Durch einen festen Freundeskreis gruppiert man sich ja letztendlich doch irgendwo dazu. Doch da wir weiterhin Ausländer sind  und bleiben haben wir auch immer wieder die Möglichkeit, Situationen und Begebenheiten zu überblicken und damit viele Sachen zu erkennen und zu reflektieren. Was in Deutschland ja auch nicht in der Art möglich ist, da man selber mittendrin und somit befangen ist. Deutlich wird uns auch immer wieder, wie die Menschen hier miteinander umgehen. Von der ausgeprägten Hierarchie hier hab ich ja schon erzählt. Und das es selbst unter Freunden deutlich wird, dass meist einer über dem anderen steht. Doch immer wieder bekommen wir mit, wie auch Leute, von denen wir das nie gedacht hätten, mit dem Kellner reden als wär er ein Sklave. Besonders wenn sie Geld haben zeigen sie das gerne und prahlen damit. Und sie denken, sie seien was besseres und können andere behandeln wie Dreck.  Selbst wenn sie vorher arm waren und dann zu Geld gekommen sind. Da denken wir doch, sie müssten wissen, wie es ist sich nicht alles leisten zu können, doch irgendwie scheinen sie das dann zu vergessen. Anscheinend steckt dieses ‘Hierarchiebewusstsein’ einfach zu tief drin. (Natürlich darf man das auf keinen Fall verallgemeinern, doch irgendwie muss ich es ja ausdrücken.) Doch dann kennen wir auch Leute die eindeutig zur Oberschicht gehören, aber nie damit angegeben haben oder einiege schlechter behandelt haben als andere. Und selbst Leute, die bereits für längere Zeit in Europa waren und dort doch eigentlich mitbekommen haben müssen, dass das bei uns ganz anders läuft, fallen hier in diese Verhalltensmuster zurück. Entweder sie reflektieren das dann garnicht, was gut sein kann und nicht unbedingt zu kritisieren ist, da es immer schwierig ist, die eigene Gesellschaft zu durchblicken. Oder es steckt einfach in ihnen drin, was auch normal wäre, da sie ja damit aufgewachsen sind.

Gerade auf Sansibar ist uns wieder aufgefallen, wie unglaublich eingebildet und arrogant die die tansanische Oberschicht sein kann. Wir haben dort ne Freundin besucht (hatte ich bereits erwähnt) und sind mit ihr dann einen Abend in so ein Restaurant direkt am Strand gegangen. Auf jeden Fall ein ‘Mzungu’-Ort zu dem sich aber auch die reichen Afrikaner mischen. Wir haben uns dort so unwohl gefühlt. Man konnte mit den Leuten nicht ein vernünftiges Wort reden, da die ‘alle’ unglaublich abgehoben und gekünstelt wirkten. Die ganze Szenerie war ein einzieges ‘intellektuelles’  Theater.

Auch als wir den einen Abend bei dieser Freundin im Dorf waren und mit ein paar Freunden von ihr Feuer gemacht und ‘gegrillt’ (FRISCHER Fisch mit Gemüse überm Feuer…so einfach, doch es gibt nichts Vergleichbares) haben, gabs voll die heftige Situation. Einer der ‘Rastas’ (dem gehörte das Grundstück auf dem wir waren) den wir als voll korrekt empfunden hatten, meinte irgendwann zu einem Mann, der unserer Freundin beim Hausbau hilft, er müsse jetzt gehen, dass Essen sei nicht für ihn bestimmt. Keiner hats mitbekommen, wir haben es erst am nächsten Tag erfahren. Uns ist so die Kinnlade runtergefallen, es ist echt unglaublich.

 

Zu unseren Freundschaften muss ich leider noch hinzufügen, dass immernoch eine reine Männerwelt ist. Erst neulich ist mir aufgefallen, dass ich am Anfang immer noch Ambitionen hatte, Kontakte zu den Frauen hier aufzubauen und dass es mich total gestört hat, dass wir immer nur mit den Typen hier abhängen und an die Frauen überhaupt nicht rankommen. Doch das ist jetzt einfach zur Normalität geworden. Und wie an viele andere Sachen auch, haben wir uns daran gewöhnt. Und das finde ich total erschreckend. Mich hat die Rolle der Frau in diesem Land immer so angekotzt und erst recht die Männer, die sich ihnen gegenüber so abgefuckt verhalten. Doch irgendwann wird man nachlässig und akzeptiert selbst Sachen, die einen vorher total gestört haben.

Na ja, jetzt hab ichs gemerkt und mal sehen, was noch kommt… schlaue Sprüche am Rande!

 

Aber jetzt noch mal zum Thema, an was man sich alles gewöhnen kann. Ich erinner mich noch gut an den Schock, den ich am Anfang in den Clubs hier hatte. Das es im Prinziep um nur zwei Sachen geht: für die Frauen um Geld, für die Männer um Sex.

!Ich entschuldige mich nochmal für alle Verallgemeinerungen, ohne die es aber schrecklich kompliziert zu erklären wäre!

Das zeigt sich in der Tanzweise der Frauen, an den Prostituierten, die ihr Geschäft so frei anbieten wie die Bar das Bier, an den weißen Touristen, die sich mit  VIEL  jüngeren Tansaniern zeigen und immer klar ist um was es eigentlich geht, etc.

Nicht das mir das alles irdendwann egal war, doch man fängt an, irgendwan nicht mehr hinzuschauen. Und sei es aus Selbstschutz, weil es einfach nicht zu ertragen ist. Doch neulich wurde echt noch mal der der Vogel abgeschossen. Eine riesen Tanzfläche. Rundherum Leute dicht an dicht (!) sich langsam zur Musik im Kreis bewegend. In der Mitte mehrere Frauen die durch möglichst aufreizende Bewegungen (sarkastischer kann ich das garnicht ausdrücken)  versuchen das 100.000Sh hohe Preisgeld zu bekommen (wie abgefuckt ist das eigentlich…). Von außen treten immer wieder Leute in den Kreis um ihren Favouriten Scheine zuzustecken. Zu guter Letzt gesellt sich ein Herr zu der Gewinnerin und dann…hätten sie nichts angehabt, sie hätten miteinander gefickt. Auf dem Boden in entsprechender Stellung! Und der ganze Club sieht zu.

Es ist lange her, dass ich hier geheult hab, doch nach der Aktion war ich erstmal wieder richtig fertig.

 

Albinos

Jetzt muss ich mal noch loswerden, dass es hier in Tansania seit ein paar Jahren ein ganz großes Problem mit Albinos gibt. Natürlich war es schon immer so, dass diese durch ihr auffälliges Erscheinen von der Gesellschaft ausgeschlossen waren, als verhext galten oder zumindest ein böses Zeichen waren. Doch fingen irgendwann so Sachen an, wie: das Fleisch von Albinos würde ein langes Leben bescheren, oder durch Sex mit einer Albinofrau könnte man sich von Aids heilen. Dementsprechend werden immer mehr Albinos umgebracht oder von Aids infizierten Männern angesteckt.

Es ist so gruselig, was durch Unwissenheit, also fehlende Bildung, für Verbrechen geschehen. Viele Menschen haben überhaupt keine Ahnung, was es mit Behinderungen, Albinismus und auch Aids auf sich hat (und das sind nur einiege Beispiele). Besonders in den ländlichen Gegenden, in denen die Bildung katastrophal ist und auch so gut wie kein Kontakt zur Außenwelt besteht, durch TV oder Radio z.B., geben Aberglaube und ‘Witchcraft’ an,  was richtig und falsch ist. Und andere profitieren wieder davon, indem sie die Menschen davon überzeugen, sie abhängig machen und sie somit unter Kontrolle bringen.

Und an dieser Stelle denke ich auch, das Aufklärungsarbeit das Wichtigste ist. Entwicklungshelfer, die durch die Dörfer ziehen um mit den Menschen zu reden. Besonders was das Thema Aids angeht. Nur gut, dass wir die Unterstützung von den hohen Mächten dieser Welt haben, die durch Afrika reisen und den Menschen erzählen, Kondome würden das Problem Aids nur noch verstärken und dürften desshalb auf keinen Fall benutzt werden.

Vielen Dank dem Papst! Vor allem wird solchen Menschen hier immer noch einmal mehr geglaubt, da Kirche und Glaube hier noch viel stärker vertreten ist als z.B. in Deutschland.

 

 

 

Zu guter Letzt und als kleiner Hoffnungsschimmer auf die Kinder unserer Zukunft, gebe ich euch noch ein Zitat mit auf den Weg.

Es erinnert mich an eine unglaubliche Frau, die ich hier kennenlernen durfte.

 

 

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Es sind die Söhne und Töchter von des Lebens Verlangen nach sich selber.

Sie kommen durch euch, doch nicht von euch.

Und sind sie auch bei euch,

so gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,

doch nicht eure Gedanken,

denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Leib behausen, doch nicht ihre Seele.

Denn ihre Seele wohnt im Hause von Morgen,

das ihr nicht zu betreten vermöget, selbst nicht in euren Träumen.

 

- Khalil Gibran – Der Prophet -

 

 

Ich hoffe, euch geht es gut und ich danke euch fürs Lesen. Bis Bald, Liebe Grüße, eure Romy

Dezember

 

 

Donnerstag, 1. Januar 2009

 

Liebe Frostbeulen daheim,

schöne Grüße von der ‘Hitze-verpickelten’ Romy aus Dar.

 

Ja, da waren wir zwei Wochen im kühlen Norden des Landes und sahen wieder halbwegs normal aus, doch kaum sind wir zwei Tage ‘back in Bongoland’ (Bongo-Dar) blüht alles wieder. Aber in dieser heißen Jahreszeit bekommen selbst die Afrikaner Pusteln überall (Schadenfreude:-) ). Also lieber nicht drüber aufregen, bringt eh nichts.

Neuerdings bekommen wir auch von allen möglichen Leuten, die uns wieder begegnen, gesagt: ‘You became fat!’. Und sowas gesagt zu bekommen ist wirklich nicht so nett. Obwohl das hier schon etwas Positives ist, was uns natürlich nicht so richtig einleuchtet :-) …außerdem haben wir gar nicht das Gefühl, dicker geworden zu sein. Doch vermutlich liegt auch das an der Hitze. Sind wir halt ein bisschen aufgeschwemmt. Schön, schön, schön…doch am Essen liegt es sicherlich auch, denn obwohl es hier unglaublich viele Früchte gibt, kann man nicht gerade von gesunder Ernährung sprechen. Der Tee ist ZUCKERsüß, alle Mahlzeiten schwimmen in Fett und dann immer diese Riesenportionen. Ich habe gerade in einem Roman gelesen, dass die Kikuju (ein afrikanischer Stamm), bevor die Kolonialisten sie zu drei Mahlzeiten täglich ‘zivilisierten’, eine große Mahlzeit am Abend zu sich nahmen. Und den ganzen Tag über haben sie gar nichts gegessen. So kommt mir das hier auch manchmal vor.

Aber gut, Schluss mit den Weh-Wehchen.

Es ist der erste Tag des neuen Jahres. Gerade haben wir drüben mit den Mädels von der Gastfamilie (Baba und Mama sind bei ihren Kindern in Deutschland!) Pilau (ein Festtagsgericht: pikant gewürzter Reis mit Fleisch) gegessen und jetzt habe ich Zeit zu schreiben. Rebecca schläft. Die Nachwirkungen von gestern Abend. Obwohl ich noch nie weniger das Ende des Jahres gefühlt habe, auch kein Wunder bei der Hitze, hatten wir einen wunderschönen Abend. Vielleicht eines der eindrucksvollsten. Aber es war ja auch das erste in Afrika und schon deshalb etwas Besonderes. Ursprünglich hatte wir geplant, eine fette Party bei uns auf dem Hof zu machen, doch da hätte unser Budget nicht mitgemacht. Außerdem hatten wir Angst schließlich allein da zu stehen. Die Tansanier sind so schrecklich unzuverlässig. Selbst wenn sie sagen, sie kommen, sollte man das nicht zu ernst nehem! Und ganz tansanisch hatten wir bis um 10 noch keinen Plan, was wir machen. Tausend Leute angerufen, doch man bekommt hier einfach keine konkrete Aussage. Also gabs erstmal ganz gechillt Spaghetti mit viel Knobi und !!!Caipirinha!!! gemischt mit ein bisschen Angst, dass unser erstes tansanisches Silvester vielleicht doch in die Hose geht. Rückblickend kann ich nur das Gegenteil behaupten! Kurz vor Mitternacht landeten wir, mit ein paar doch noch eingetrudelten Freunden, in einem Club direkt am Wasser. Klarer Sternenhimmel, sommerheißes Wetter, eine riesen Tanzfläche, Feuern und Fackeln überall, überall am Strand kleine Tische mit Kerzen, eine riesen Bar, laute Musik, viele Menschen, höllischer Eintrittspreis…das sind die Kontraste in diesem Land. Vor einer Woche noch auf dem Feuer auf einem Hof am Kilimanjaro gekocht (dazu später) und dann ein Silvester unter tansanischer High-Society. Doch wir hatten genug angenehme Leute dabei und haben auch dort unglaublich viele bekannte Gesichter getroffen. Das ist wirklich das geilste, wenn man irgendwo hinkommt und Bekannte trifft…da hat man doch das Gefühl zu Hause zu sein!!! Es gab sogar ein Feuerwerk am anderen Ende der Bucht, welches wir über dem Wasser sehen konnten. Die Stimmung war einfach irgendwie magisch. Irgendwan musste ich kurz innehalten und realisieren, wie geil das eigentlich war. Das ist so oft so: die Zeit und die Erlebnisse fliegen und wenn ich nicht ab und zu mal anhalte und den Moment erfasse, realisiere ich manche Sachen gar nicht wirklich. Da stand ich also in den ersten Minuten des neuen Jahres mit nackten Füßen und einem Sommerkleid im Sand an der afrikanischen Küste. Wie viel Glück kann ich bitte haben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Bei dieser Gelegenheit wünschen ich allen noch mal ein FROHES NEUES JAHR – HERI YA MWAKA MPYA!

 

Und nun zu ein paar Reiseerzählungen. Zu erst verschlug es uns mit dem Bus nach ‘Mwanza’…an die Ufer des ‘Victoria Sees’. 16h Busfahrt, davon ungefähr die Hälfte auf befestigter Straße, den Rest mit einem Affenzahn durch die Pampa, auf Schlagloch übersähten Sandstraßen. Irgendwann war es echt nicht mehr lustig. Zumal wir den Abend zuvor noch eine Freundin verabschiedet haben, die nach Deutschland zurück ging…was bedeutet direkt von der Tanzfläche in den Bus. Doch dafür wurden wir, sobald es unsere physische Wahrnehmung wieder zulies, mit atemberaubenen Landschaftsbildern belohnt. Soweit das Auge reicht, platte afrikanische Steppe, kaum Vegetation, doch in der Wildnis verstreut riesiege kahle Felsbrocken (wie von Geisterhand fallen gelassen). So blöd es klingt, wir hatte den Eindruck jede Sekunde den König der Löwen auf einem dieser Felsen thronen zu sehen. Obwohl ich vorher Bilder von afrikanischen Landschaften gesehen hatte, war das doch etwas völlig Neues…ich hätte es mir nie so vorgestellt.

Abends um 10 in ‘Mwanza’ wurden wir von unserem Gastgeber am Bus abgeholt. Auf unserer ersten Reise nach ‘Bagamoyo’ hatten wir Dr. Andrew (er arbeitet als Herzchirouge in einem Krankenhaus in Mwanza) kennen gelernt und er hatte uns von seinem Projekt für Straßenkinder, erzählt. Wir waren damals schon total interessiert und darauf hin hat er uns eingeladen (im wahrsten Sinne des Wortes, denn er hat 1½ Wochen lang unsere Unterkunft bezahlt). Er brachte uns schließlich zu unserem Hostel und hat uns in der nächsten Bar noch ein Abendbrot klar gemacht. Da saßen wir also, total im Arsch (sorry!), in unsere warmen Sachen gehüllt (da oben ist es abends ziemlich kalt), und wurden mit Chipsi mayei (Kartoffelecken in Rührei), gebratenem Ziegenfleisch und Bier verköstigt. Und wieder einmal war das einer dieser kleinen Momente in denen wir feststellten, was für ein Glück wir eigentlich hatten, in diesem Land sein zu dürfen. Wir sahen an diesem Abend nicht mehr sehr viel von der Stadt, doch als wir am nächsten Morgen aus unserem Hostel traten, verschlug es uns fast den Atem. An der einen Seite grenzt die Stadt an den ‘Victoria See’, auf der anderen Seite ist sie von hohen Bergen umgeben, an deren Rängen sich die Häuser entlang schlängeln (im Dunkeln sieht es so aus, als würden sich lauter kleine Lichter zum Himmel erheben). Einfach atemberaubend. Dazu eine sehr frische Briese und Nieselregen. Alles zusammen erinnerte mich zunehmend an Schottland, wodurch ich den Ort nur noch schöner fand!

In dem Projekt/dem Haus leben derzeit ca. 20 Kinder, die Dr. Andrew persönlich von der Straße geholt hat. Wir wurden super freundlich aufgenommen, konnten uns alles angucken und bekamen somit ein Bild von der Lage. Einerseits ist es ein riesen Glück für die Kids von der Straße weg zu sein. Andererseits war das, was wir zu sehen bekamen doch ziemlich schockierend für uns. Das Haus ist ziemlich groß, es gibt eine Küche und für jeden ein Bett, doch ansonsten gibt es absolut nichts. Die meisten der Kinder haben die Kleider, die sie auf dem Leib tragen, es gibt nur zwei Mahlzeiten am Tag (was eigentlich im Verhälltnis schon viel ist uns aber dennoch schrecklich vorkam, da sie morgens bis um zwei nichts in den Magen bekamen, nicht mal Tee gab es)…Ugali (Maisbrei) und ein bisschen Spinat uns so kleine vertrocknete Fische dazu…zweimal täglich, 7 Tage die Woche nur Ugali und Wasser…das würd ich im Traum nicht aushalten.

Doch die meisten von ihnen können jetzt zur Schule gehen, was sie alle mit großer Begeisterung machen. Auch sonst ist es unglaublich zu sehen, wie reif und fit die Kids für ihr Alter sind. Man müsste meinen, aufgrung all der Scheiße, die sie erlebt haben, hat man einen Haufen kaputter Kinder vor sich. Doch den meisten sieht man ihr erlebtes Leid nicht an: sie sind fröhlich, spielen gern, total offen und unglaublich kontaktfreudig. Meistens haben wir die Vormittage im Center verbracht, Englisch unterrichtet, ein bisschen Deutsch und alle alten Spiele aus unserer Kindheit und dem Sportunterricht wieder rausgeholt. Und ich kann nur sagen: es gibt kaum etwas schöneres, als Kinder lachen zu sehen.

Wir haben uns auch viel mit diesem Dr. Andrew getroffen und mit ihm über Gott und die Welt und vor allem über das Projekt gesprochen. Dadurch haben wir auch gemerkt, in welch schwieriger finanzieller Lage das Projekt steckt (im Moment bezahlt der Dokter noch alles aus eigener Tasche). Wir haben hin und her überlegt, mussten uns am Ende aber eingestehen, dass im wir ihn im Moment nicht unterstützen können. Doch dann kamen wir auf die Idee einen Kontakt zu unserer Organisation zu knüpfen…und daran arbeitet wir noch. Doch es sieht mehr als positiv aus und wenn alles gut geht, wird ‘Kawaida’ schon im Juli diesen Jahres zwei Freiwillige und WELTWÄRTSGELDER nach ‘Mwanza’ schicken. Jiiiiiiiiipeeeeeeeeeeeeeeeeh!!!

Trotzdem wir uns über diesen Erfolg mächtig gefreut haben, gab es immer wieder Situationen, die uns das Herz schwer gemacht haben. Somit war die Zeit dort ein einzieges Wechselbad der Gefühle. Am Ende ( wir sind noch bis Weihnachten geblieben, haben Heiligabend mit den Kids verbracht und sind dann am 1. Feiertag wieder in den Bus geklettert) war ich schon ziemlich traurig, da ich die Kinder in der kurzen Zeit so lieb gewonnen hatte, doch andererseits war ich auch froh erstmal wieder ein bisschen Abstand zu bekommen. Es ist nicht einfach, sich in einer solchen Arbeit eine gewisse Distanz zu bewahren. Doch wenn man es nicht tut und die Sachen zu nah an sich herranlässt, kann man irgendwan gar nichts mehr machen und sitzt nur noch heulend in der Ecke. Ich weis noch nicht genau, ob ich das in der Zukunft hinkriegen werde, um einen sozialen Beruf ausüben zu können…wird sich zeigen!

Den ersten Weihnachtsfeiertag verbrachten wir dann also im Bus auf dem Weg nach Moshi, dem Heimatsort unserer Gastfamilie. Dummerweise waren wir beide total angeschlagen…ich typischer Weise mit Nasennebenhöhlenentzündung (was für ein schönes Wort *g* ). Dazu kam, dass der Bus eine einziege Schrottkarre war. Und dann fing es auch noch an, in Strömen zu regnen. Und man sollte blos nicht erwarten, dass so ein Bus dicht ist…ach was…jedenfalls saßen wir dann die erste Strecke völlig durchnässt und durchgefroren im Bus…überall regnete es rein. Als das Wetter dann besser wurde hieß es Pause zum Essen und Pinkeln, doch wie sich herausstellte, hatte der Bus eine Panne. Wir saßen sage und schreibe 5h auf diesem Parkplatz/Tankstelle (an der sie rund um die Uhr ein und das selbe ‘Bob Marley’-Album spielten) fest. Keine Ahnung, wie wir uns die Zeit vertrieben haben, doch im Rückblick, war die Aktion schon ziemlich lustig. Doch nach etlichen Bonbons, nichts schmeckenden Keksen, Kachatta, einer halben Ananas, Erdnüssen, einer Tüte Reis, reichlich Tee und einer Soda später sprang der Bus an und wir konnten die Reise vortsetzen. Ein Glück, dass der Mensch shoppen kann! Zuerst führte uns die ‘Roughroade’ (!!!) durch die unendlichen Weiten Tansanias…die Natur verschlug uns den Atem. Das war das Afrikabild, welches uns von so vielen Bildern , aus so vielen Filmen im Kopf war. Der Horizont führt den Blick ins Unendliche, Steppe gespickt mit Bäumen mit flachen Kronen, Felsen, Büschen, Kakteen…Leider wurde es ja auch irgendwann dunkel und obwohl wir beschlossen hatte in Arusha zu übernachten, hatten wir noch Stunden Fahrt von uns. Und meine Nase war so scheiße verstopft und es war arschkalt, den Fahrer hatte Mordlust gepackt…er raste mit uns durch die Dunkelheit, der Bus war ein einzieges Wrack…es hätte jede Sekunde ein Unfall passieren können. Zwischendurch hatte ich echt Schiss in diesem elenden Busch zu verenden. Man hört so oft, von Unfällen, weil diese Reisebusse so schnell wie möglich am Ziel sein wollen und deshalb unmöglich fahren. Um 12 Uhr nachts hatte es uns dann doch noch auf einen riesiegen, menschenleeren Busbahnhof in eine fremde afrikanische Stadt verschlagen. Das war echt nicht lustig und dem entsprechend war uns auch zu Mute. Doch wir hatten keine andere Wahl. Wir brauchten irgendein Taxi und mussten dem vertrauen, uns ein Hostel zu suchen.

Natürlich heftete sich sofort ein sturzbesoffener Typ an uns und klärte uns überschwenglich über das afrikanische Nachtleben auf: Diebe, gefährlich, erschossen werden…doch bloß keine Panik…zum Glück kam ein Taxi…also los ins Ungewisse. Doch zum Glück war der Typ total korrekt. Oh Gott war ich angespannt, bis ich endlich die Tür unseres 10.000Sh-Zimmers zuschloss und mich in das warme Bett kuschelte.

Am nächsten Morgen verließen wir ziemlich schnell das Hostel, welches bei Licht betrachtet längst nicht mehr so einladend wirkte wie am Abend zuvor. Dafür fanden wir eine wunderbare, muslimische Chai-Bude (natürlich mit Männern vollgestopft) und bei Chapati und Tee mit Milch waren alle Ängste wieder vergessen. Wieder einmal einer dieser kleinen, wunderschönen Momente geschaffen von ein bisschen Tee und trockenen Füßen. Vielen Dank Afrika.

 

Mit dem Bus ging es dann immer dem Kilimanjaro entgegen (auch diesmal inklusive Panne), den ich leider nicht einmal vollständig gesehen habe, da die Spitze immer von Wolken verhangen war.

Unsere Gastfamilie hat noch ein Haus in einem Dorf am Kilimanjaro. Dort lebt eine Frau, die früher in Dar als Hausmädchen bei den ‘Mremas’ gearbeitet hat. Jetzt hat sie ein drei Monate altes Baby. Soooooooo süß. Das Haus ist eigentlich genauso ‘gut’, wie das, in dem wir normalerweise leben. Doch rundherum stehen die traditionellen Hütten aus Holz und Lehm. Gekocht wird auf dem Hof auf offenem Feuer und das Wasser kommt direkt vom großen Berg. Rundherum erstreckt sich ein

 

…ich versuche eigentlich, mich hier beim Schreiben zu konzentrieren, doch Rebecca lernt gerade irgendein Swahili-Zeug und Jonas hilft ihr dabei und irgendwie verstehen sie sich nicht richtig und fragen mich ständig was…

 

Netz von Sandwegen durch den dschungelähnlichen Wald. Bananenstauden, Maisfelder oder einfach nur unberührter afrikanischer Wald. Die Häuser inmitten all dem Wuchs sind kaum zu finden, richtig versteckt. Die Region Kilimanjaro ist die Heimat des Stammes ‘Chagga’ (wozu auch unsere Familie gehört!), welcher sich die fruchtbaren Vulkanböden des Kilimanjaro zu Nutzen machte und dort eine ausgeprägte Agrarwirtschaft entwickelte. Sie gelten als hervorragende ‘Businessmen’ und Handelsleute.

Die Tage dort haben mir seit langem mal wieder geflüstert, wie sich Dorfleben eigentlich anfühlt. Die Ruhe und die Einsamkeit, habe ich einerseits genossen (es tat so gut, mal aus dieser lauten, stinkigen, mülligen Großstadt Dar rauszukommen), andererseits bedeutet afrikanisches Dorf sicher noch mal etwas anderes als Lentzke. Man ist viel abgeschiedener von den nächsten Städten, der Lebensstandart ist viel geringer. Ich kann mir vorstellen, dass man auch lernen muss dort zu leben. Auf der anderen Seite hatte ich das Gefühl, dass die Menschen dort, auf Grund ihrer Stammeszuge- hörigkeit, eine große Gemeinschaft leben (über mehrere Dörfer hinweg). Und das scheint mir auch was wert zu sein. Hab ich mal erwähnt, dass die Menschen hier fast alle zweisprachig aufwachsen? Sie lernen in der Kindheit die Sprache ihres Stammes und Swahili. Am Kili werden die Gottes-dienste je einmal in Swahili und einmal in Kichagga abgehalten.

 

Auf jeden Fall hatte wir in dort auch viel Zeit zum Nachdenken. Und es ist immer gut jemanden zu haben, mit dem man sich dann austauschen kann. Sehr oft ist es auch schwierig, so viel Zeit mit immer der selben Person zu verbringen. Noch nie in meinem Leben zuvor habe ich 5 Monate lang so gut wie jeden Tag mit ein und der selben Person verbracht. Besonders, wenn wir unterwegs sind, und sich unsere Meinungen bezüglich der Pläne scheiden, wird klar, wie unterschiedlich wir doch sind. In Deutschland, und selbst in Dar mittlerweile, könnte ich dann einfach ein bisschen alleine los ziehen. Doch hier merke ich immer wieder, dass das oft nicht möglich ist. Zu zweit ist es viel einfacher, komische Situationen einzuschätzen, mal zu kontern, wenn man blöd angemacht wird. Allein fühle ich mich manchmal sehr unsicher und habe das Gefühl, noch mehr von allen Seiten angelabert zu werden als sonst und kann das allein auch längst nicht so gut wegstecken. Auch wenn Einheimische dann auf mich zukommen und sagen ‘hier sollte ich jetzt lieber nicht allein langgehen’. Das alles schafft Unsicherheit und gibt mir auf direktem Wege zu verstehen, wie unfrei ich allein als weiße Frau doch bin. Ich habe immer versucht mich da nicht reinzusteigern. Von vielen, die ich kennen gelernt habe, wird diese Unfreiheit auch dramatisiert und im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern wie z.B. Kenia oder Südafrika ist es hier in Tansania doch um einieges sicherer. Doch dieses Gefühl, nicht einfach losstapfen zu können, wenn ich Lust dazu habe, oder das Gefühl zu haben, mich in permanenter Deckung zu befinden sobald ich allein irgendwo langgehe, kannte ich aus Deutschland einfach überhaupt nicht. Ich habe es immer auch sehr genossen, Sachen für mich allein zu machen, das Gefühl mich auf mich selbst verlassen zu können. Da muss ich oft ziemlich viele Kompromisse eingehen, was ich manchmal auch nicht so richtig einsehen will ;-) doch es ist auch gut zu lernen, nicht immer meinen Dickkopf durchsetzen zu können.

Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass uns diese Zeit auch ziemlich zusammengeschweißt hat. Man lernt sich halt extrem gut kennen, stellt sich aufein ander ein. Ich habe schon so viel von Rebecca gelernt. Einerseits ist es manchmal anstrengend, die Reibungen auf Grund unserer Unterschiedlichkeit, andererseits bedeutet dies auch eine ständige Auseinandersetzung mit sich selber, was auch ziemlich interessant sein kann.

Im Großen und Ganzen habe ich oft das Gefühl mich eigentlich gar nicht weiter zu entwickeln. Habe das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Doch in manchen Momenten wird mir bewusst, in DIESEN kleinen Momenten, dass allein der Aufenthalt hier mich schon zu einem völlig neuen Menschen gemacht hat. Die ständigen Einflüsse sind auch so klein und alltäglich, dass ich sie oft gar nicht war nehme. Wenn ich darüber nachdenke, wurde ich von einem Tag auf den anderen aus einer Welt herausgerissen und in eine komplett andere hinneingesetzt (dies war ja eigenltich kein passiver Vorgang, doch so lässt es sich einfacher beschreiben). Und manchmal kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass da eine andere Welt vorher war, dass gewisse Sachen, die so normal und selbstverständlich geworden sind, vorher nie da gewesen sind. Das ist meistens ein gutes Gefühl, doch manchmal kann es auch verzweifeln bei dem Gedanken, hier bald wieder weg zu sein und im Nachhinein das Gefühl zu haben für ein Jahr in irgendeinem Film mitgespielt zu haben.

 

Gestern hab ich einen Artikel in der Zeitung gelesen, von einem Typen, der zur Zeit im Weltwärtseinsatz in Kenia ist. Ich zitiere: „…das Wochenende, dann wechseln wir in jenes Kenia, das weit weg ist von unserem Alltag. Wir gehen zum Strand, kaufen leckere Lebensmittel, gehen in die Disco…“. Ich musste einfach nur lächeln als ich das gelesen habe…irgendwo her kenne ich das doch. Vor einer Woche ca. saßen wir noch in einem Waisenhaus und haben mit den Kindern gespielt…ausgemergelte kleine Leiber mit Lumpen an den kleinen Körperchen. Zu Silvester sitzen sitzen wir dann zwischen tansanischer ‘High-Society’ am Beach und trinken ‘Tequilla’.

Es gibt auch so Tage, an denen mir Sachen wieder neu auffallen, die ich schon fast für normal empfunden habe, obwohl sie eigentlich total krass sind. Ich kann mich noch an den Schock am Anfang erinnern: in den Clubs die weißen, alten Typen, die sich irgendwelche wunderschönen, jungen Tansanierinnen angeln…überall. Wir haben uns total geekelt, viel drüber diskutiert…irgend-wann war der Anblick normal. Doch dann ist es mir auch schon wieder passiert, dass es mir plötzlich wieder wie Schuppen von den Augen viel, ich es einfach nicht mehr ertragen konnte…diesen Anblick. Diese jungen Mädchen, die sich opfern für…??? Dann will ich bloß noch in mein Bett und die Decke über meinen Kopf ziehen. Der Typ aus dem Artikel benutzte das Wort ‘Sextourismus’. Mir schwirrt das jetzt die ganze Zeit im Kopf herum und merke, wie grausam richtig diese Bezeichnung doch ist.

 

Ich wünsche allen nochmal ein FROHES NEUES JAHR. Ein Dankeschön auch an all die fleißigen Leser, falls sie existieren ;-) Selbst wenn nicht…diese Berichte bedeuten einfach für mich auch noch mal eine Reflektion. Doch weiterhin ‘Willkommen – Karibu Sana’!

Oktober

Hier ist es gerade Mittag und ich warte darauf, dass Rebecca aus der Stadt kommt. Dann essen wir was. Ich koche in letzer Zeit voll oft. Immer dieser Schulfraß geht uns langsam auf den Sack. Reis oder Ugali mit Bohnen. Muss nicht jeden Tag sein. Und es gibt wirklich genug Gemüse woraus man was geiles zaubern kann. Am Wochenende gab es Nudeln mit Kohl und Knobi (fast so gut wie bei Mutti ;-) ).

Und wir haben mal Kuchen gebacken. Rührkuchen mit Kokos. Geil war, dass wir die Kokosstreußtel, die wir bei uns in der Tüte kaufen, selber gemacht haben. Kokosnüsse kann man an jeder Duka kaufen, das Wasser haben wir zum Kochen aufgehoben (kann man richtig geil in Soßen machen, wird dann so leicht sämig und gibt einen super geilen Geschmack!) und dann mit einem speziellen Schaber das feste Fleisch rausschaben. Dieses muss man dann in Wasser einweichen um dann den Saft raus zu pressen. Schließlich bleiben nur noch die trockenen Krümel übrig, die dann in den Kuchen kommen.

 

Letzte Woche hatten wir den ersten richtigen Regentag. Es hat den ganzen Tag wie aus Kübeln geschüttet. Es war fast unmöglich trocken zu bleiben. Besonders an den Füßen. Ich war schon bis zum Tor und bin sofort wieder umgekehrt und hab Sandalen angezogen. Alles andere war einfach totaler Quatsch. Erst wollte ich warten, bis es besser wird, doch da hätte ich wahrscheinlich lange warten können. Außerdem habe ich gesehen, dass die Tanzanier sich überhaupt nichts draus machen. Ist ja auch logisch. Im Frühjahr wird es jeden Tag so aussehen. Da kann man weder immer zu Hause bleiben, noch sich ständig aufregen. Aber ich hab es auch echt genossen, da es angenehm kühl war. Richtiges Herbstwetter ;-) Leider sieht das im Moment garnicht mehr so aus. Egal was man macht, das Wasser läuft. Doch das geyt schon! Krass waren nur die Überschwemmungen überall in der Stadt. Die ganzen unbefestigten Sandstraßen sind so gut wie nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Alles stand unter Wasser. Am beschissensten geht es da den Menschen, die in den ganzen ‘Notunterkünften’ leben. Da dringt das Wasser einfach ein, ohne dass man was dagegen tun kann. Es gibt hier auch ein rieses Gebiet nahe der Innenstadt, das von weitem wie ein großer Stadtpark aussieht. „Schön grün“. An den Rändern sammeln sich sogenannte illegale Siedlungen, die sich immer mehr vermehren und angeblich auch immer mal wieder von der Stadt eingerissen werden. Doch die Menschen ‘bauen’ immer wieder, da sie sonst nicht wissen wohin. Blöd ist nur, dass diese Fläche ein einzieges Sumpfgebiet ist und dazu noch in einer Senke liegt. In der Regenzeit ist den Häusern glaub ich nicht mehr zu helfen. Keine Ahnung, was die Menschen dann machen…

Ekelig ist auch, dass die Wassermassen dann den ganzen Müll mitschwemmen. Und was im Grunde genommen wie eine harmlose Pfütze aussieht, ist dann ein giftiger, keimiger Sud voller Krankheiten. Der dann die Häuser flutet und in dem die Kinder spielen.

An solchen Tagen merkt man irgendwie, wie angreifbar diese Stadt doch noch immer ist. Wie proviesorisch vieles errichtet ist. Wie schnell Existenzen zerstört werden können.

 

Seit einieger Zeit fahr ich morgens mal wieder mit dem Bus zur Schule. Die Mama ist irgendwo anders busy. Und ich hasse es. Meistens muss ich stehen, weil es viel zu wenig Busse für die Richtung gibt und die Menschen sich wortwörtlich drum kloppen. Da ist das Drängeln am Schulbus in Lentzke ein Witz gegen ;-) kann schon gefährlich sein, sich in den Kampf um einen Sitzplatz zu stürzen. Und wenn dann nur mit Turnschuhen, da ich ansonsten im Nachhinnein keine Füße mehr habe…und ich hab immer nach Punkkonzerten im Haus rumgejammert, dass mir alle möglichen Leute ihre Körperteile in die Rippen rammen ;-) manche klettern auch einfach durchs Fenster! Das einzig Gute ist dann manchmal, zwischen zwei fetten Ärschen (sorry) eingeklemmt zu sein. Man braucht sich nicht mehr festhalten und ist gut gepoltstert, falls der Fahrer versäumt hat seinen Führerschein zu machen, was nicht gerade selten ist. Ebenso war es neulich. Da hat der Gute wohl den Straßengraben nicht gesehen, oder wollte einfach nur mal austesten, ob sich der Buss auch schlank machen kann. Jedenfalls ist das ganze Gerät ordentlich in die Schräglage geraten, die ganze Manschaft hat aufgeschrien…alles ging so schnell, dass ich garnichts gepeillt hab. Erst als der Bus es wieder, wie auch immer, in die Waagerechte geschafft hatte, wurde mir bewusst, was gerade passiert war und von dem Schock musste ich mich ziemlich lange erholen. But in the end good luck, würd ich sagen!!!

 

Es gibt so viele Sachen, die ich manchmal hier garnicht wahr nehme. Manchmal glaub ich, dass es auch irgendwie ein Selbstschutz ist. Dass man mache Sachen nicht sehen, oder bestimmte Situationen umgehen will. Z.B. habe ich in meiner Anfangszeit die Bettler in der Stadt garnicht so richtig wahrgenommen. Das ist irgendwie auch so’ne Sache, die ich vorher wusste, das es davon unglaublich viele gibt. Das heißt, es zu sehen, war erstmal nicht so schlimm.

Doch mit der Zeit kamen immer wieder Situationen, in denen ich damit direkt konfrontiert wurde. Ich hab z.B. mitgekriegt, dass auch ganz viele Leute von hier, auf der Straße den Leuten Geld geben. Doch ich selber hab mich immer unwohl dabei gefühlt. Wenn man an ner riesen Busstation mitten in der City ist, fällt man als Weißer eh schon auf. Und die Bettler kommen ja erst Recht zu den Weißen, weil sie wissen, dass die Geld haben. Wenn ich dann angesprochen werde, kriegen dass ja alle andere herum auch mit. Und dann mach ich mir irgendwie Gedanken darum, was für ein Bild in dieser Situation nach außen hin entsteht. Wenn ich nichts gebe, fühl ich mich geizig, desinteressiert, vielleicht sogar schuldig (im Nachhinnein widerlegen sich diese Gedanken meist von ganz allein, doch die Situation ist einfach total unangenehm). Wenn ich was gebe, entsteht doch ohne Frage das Bild von der reichen Weißen die es ohne Ende locker hat.

Vielleicht ist diese Überlegerei auch Quatsch. Doch je länger ich hier bin, desto mehr bekomme ich auch das Bild mit, das die Tansanier von Europäern (die schmeißen uns auch alle in einen Topf, genauso wie das viele bei uns mit den Afrikanern machen) haben. Und das ist manchmal so verkorkst und falsch (was finde ich auch echt gefährlich ist, da dieses Trugbild ja zu einer völlig falschen Wahrnehmung der Realität führt und somit ja auch dem eigenen Entwicklungsprozess vielleicht nicht gerade förderlich ist), dass ich in vielen Situationen einmal mehr darüber nachdenke, wie ich mich verhalte.

Neulich stand ich mit dem Bus im Stau. Ich saß am offenen Fenster. Auf der Straße sind total viele Kinder rumgelaufen und haben an den Autos gebettelt. Auch an meinem Bus. Es ist voll heftig, wenn sich auf einmal lauter kleine Kinderarme durchs Fenster strecken und nach Geld fragen. Die meisten Tansanier haben einfach weggeguckt oder mit dem Kopf geschüttelt und dann sind sie auch wieder weg. Ein Kind ist aber voll lange bei mir stehen geblieben und hat mit seiner kleinen dreckigen Hand vor mir rumgefuchtelt. Und dass Kopfschütteln hat nicht geholfen und ich wusste auch nicht mehr wo ich hingucken sollte und bin in meinem Sitz immer kleiner geworden und der ganze Bus hat es mitgekriegt. Und dann beugt sich auch noch einer, der dicht neben mir stand, vor und drückt dem Kind was in die Hand. Ich hab mich so unendlich klein und beschissen gefühlt.

 

Ok, Schluss mit den Horrorgeschichten. Es sind auch noch gute Sachen passiert.

Vor einer Weile waren wir bei einer Lehrerin (zwei Jahre älter als wir) von Rebeccas Schule eingeladen. Sie hatte einen Abend bei uns mitgegessen. An diesem Abend hatten wir ein kleines Abschiedsessen mit einer Freundin aus Deutschland. Zur Feier des Tages gab es Nudeln mit ‘Käse-Creme-Pilz-Knorr-Fertigsoße’. Ja, sowas bekommt man hier auch. Mal muss das sein. Es war auch einfach zu geil. Na jedenfalls war die Tansanierin davon so begeistert, dass wir das bei ihr zu Hause gleich noch mal wiederholen sollten.

Das heißt, wie haben dann eines schönen Abends unter sternenklarem Himmel Nudeln und ‘Käse-Creme-Pilz-Knorr-Fertigsoße’ (*g*) für eine 12 köpfige Familie gekocht. Über offenem Feuer. Die meisten kochen hier noch draußen auf Feuerschalen. Die Fertigtüten fanden sie besonders interessant; wir fanden das eher ein bisschen unangenehm. Aber es hat superviel Spass gemacht.

Bei unserem nächsten Treffen wurde der Spieß dann umgedreht und wir haben gelernt Pilau (würziger Reis mit fleisch, Festtagsessen) und Kochbananen zu kochen. Voll heftig war zu sehen, dass die ganze Familie auf einem Haufen lebt. Insgesamt bestimmt 20 Leute. Einiege auch nur entfernt verwandt, vom Land zum Onkel in die Stadt geschickt (Bsp!). Um einen ziemlich kleinen Innenhof reihen sich rundherrum die Häuser, die in kleine Zimmer und einen großen Aufenthaltsraum aufgeteilt sind. Gekocht wird auf dem Hof, gegessen meistens zusammen, Klo(-loch) und ‘Dusch’ecke wird ebenfalls auf dem Hof geteilt. Die einzelnden Räume hatten meist gar keine Türen sondern nur Vorhänge und dann haben sich immer mindestens 2-3 Leute einen Raum geteilt. Also von Privatsphäre keine Rede. Und ich freue mich, wenn ich die Tür mal hinter mir zu machen kann.

Dies war übrigens auch der Ort, andem Rebecca und ich einer Missionsstunde beiwohnten. Die sind da alle richtig krass gläubig, doch wir dachten, dass wir da einfach nur mit den beiden Missionaren und den anderen zusammen sitzen. So einen auf Religionsunterricht. Kann ja spannend sein. War es auch. Nur, dass das keine Christen waren, sondern ein ‘Ableger’ dieser. Ich weis nicht soviel über das Mormonentum, doch dass, was die uns erzählt haben war uns nicht so geheuer. Rebecca meinte dazu: sind wir jetzt in’ner Sekte gelandet oder wass? Nach diesem 1stündigen Treffen haben wir auch entschieden die Sache einfach ganz zu lassen, da es nichts brächte, ewig mit denen rumzudisskutieren. Wir waren einfach völlig verschiedener Meinung. Doch interessant war es trotzdem. Rebecca und ich hatten danach auf jeden Fall Disskusionsstoff. Obwohl der Gedanke, dass die hier von Haus zu Haus gehen schon ganz schön gruselig ist.

September

Jetzt ist auch der September rum. Neulich ist mir mal aufgefallen, dass ich am Anfang des Jahres noch in Deutschland in der Schule saß. Ist schon ein krasser Gedanke.

Reise

Die letzten zwei Wochen hatten wir Urlaub. Schulferien (lässt mich also doch noch nicht ganz los). Direkt am Freitag haben wir uns erst mal aufgemacht. Seit einieger Zeit ist in meiner Schule auch noch eine Hamburgerin, die für drei Monate in Dar bleibt. Die haben wir auch erst mal noch eingesackt. Also dann mit dem Rucksack rein in den Dala und auf nach Bagamoyo. Nördlich von Dar es Salaam an der Küste. Die Straße verläuft mehr oder weniger in Küstennähe, sodass, wenn das Land falch ist, immer mal wieder das Meer durchschimmert.

Bagamoyo – ‘Leg dein Herz nieder’

noch mal für ein Wochenende hin.

In Bagamoyo angekommen, werden wir erst mal ganz typisch von einer Traube Männer umringt, die uns entweder ein Taxi oder eine Unterkunft anbieten wollen. Wir verbringen auch tatsächlich den ganzen Nachmittag/Abend damit etwas passendes zu finden. Es ist machmal schwierig ein zu schätzen. Entweder man findet die absoluten Luxuspaläste mit den entsprechenden Preisen (die dann sogar erst mal in Dollar und nicht in Shilling angegeben werden, was schon ein Zeichen ist) oder man gerät an die absoluten Löcher, bei denen man lieber nicht wissen will, was in den Betten vorher passiert ist. Unsere Preispsanne lag bei ca. 20/25000 Sh. Das sind dann ca. 10 Euro die Nacht. Das blöde ist nur, dass man auf keinen Fall stehen bleiben sollte und den Eindruck von Hilflosigkeit erwecken sollte, um nicht gleich wieder viele fleißige Helfer anzulocken. Schließlich hatten die Wazungu eine ganze Runde durch die Stadt gemacht, welche sich auch als wesentlich kleiner entpuppte als erwartet.

Zwischendurch mal wieder von Typen „verfolgt“. Die haben uns einfach nur vollgelabert. Doch  es ist so heftig, dass man die Situation immer noch nicht einschätzen kann. Wir waren total abeneigt und wahrscheinlich auch ziemlich unfreundlich.

‘In the end’ ließen wir uns dann doch bequatschen. Es war einfach schon zu dunkel, um noch lange weiter zu suchen. Unsere Leibgarde lotste uns dann schließlich zu einem Hostel. Als wir den Hof betraten sank uns erstmal das Herz in die Hose, da es total dunkel war, das Tor hinter uns zu gemacht wurde und wir mit den ganzen Typen allein waren. Und plötzlich waren da auch wieder die Typen, die uns vorher schon am Strand genervt hatten. Doch dann wurde uns die Besitzerin des Hauses vorgestellt: eine Amerikanerin, eine Weiße. Es ist erschreckend zu sagen, und wir haben darüber auch noch lange disskutiert, doch ganz plötzlich, von einem Moment zum nächsten, fühlten wir uns vollkommen sicher.

Wie viel eine Hautfarbe doch ausmachen kann, wenn man allein unter Fremden ist. Hätte ich selber nie gedacht. Dabei hätte das genauso ein Reinfall sein können. Doch dann hatte die Aufregung ein Ende. Das Hostel war super, die Frau echt nett und wir waren froh, endlich unsere Sachen sicher untergebracht zu haben.

Begossen wurde das ganze anschließend mit Bier in der Dorfkneipe (die Hälfte der Getränke wurden uns vom Nachbartisch ausgegeben; diesmal ohne noch blöde be-quatscht zu werden).

Am nächsten Morgen gab es ein Geburtstagsfrühstück für die Rebecca und eine unerwartete Wendung für den Tagesablauf. Wir hatten überlegt uns Fahhräder auszuleihen um die Stadt zu erkunden. Doch dann kam eines jener typischen Motorbike-Taxis an uns vorbei gerauscht, die für diesem Trip viel geeigneter schienen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, doch die anderen beiden fanden die Bikes wesentlich interessanter. Die „Strandtypen“ vom Vortag machten für uns den Deal. Die Besitzer der Maschienen müssen sich ‘nen Keks gefreut haben über die Kohle, die wir ihnen gegeben haben um die Dinger für einen Tag auszuleihen. Es brauchte ein paar Überredungskünste, um mich auf die Maschiene zu kriegen (mir waren die noch nie geheuer), doch es stelte sich als erstaunlich einfach raus. Da Hanna und ich schon Autofahrerfahrung haben war es für uns weniger ein Problem als für Rebecca.

Dann gings raus aus der Stadt, an der Steilküste entlang auf einem alten Schotterweg. Links unter uns das hellblaue Meer und der weiße Strand. Über uns der strahlende Himmel, nicht eine Wolke und der Wind in unserem Haar. Ich weis, das hört sich super kitschig an, doch es war einfach der Wahnsinn.

Der Ort an sich war wesentlich kleiner als wir gedacht hatten. Total verschlafen. Doch es gibt viele sehr alte arabische und deutsch-kolonialistische Bauten die unglaublich schön verlassen aussehen. Als wir am ersten Abend im Dämmerlich ankamen, waren diese Überbleibsel der deutschen und arabischen Vergangenheit in ein unglaubliches Licht getaucht…dazu die Salzluft und der Wind vom Meer…

Demnächst ist in Bagamoyo ein internationales Musik- und Tanzfestival, welches jedes Jahr stattfindet. Bagamoyo ist berühmt für sein „College of Arts“. Vielleicht fahren wir dann

Unfreiheit

Auf jeden Fall hat mir schon dieser erste Tag „auf Reisen“ gezeigt wie unfrei sich man hier auch fühlen kann. Obwohl ich, auch bevor ich herkam, wusste, dass das Reisen als Frau allein schwierig sein kann, dachte ich mir doch, dass das schon irgendwie gehen wird. Doch jetzt weis ich, wie froh ich war, dass ich mit Reecca und Hanna zusammen war. Ich merke immer wieder, dass ich viele Situationen und auch viele Menschen noch nicht richtig ein schätzen kann. Entweder werde ich aggressiv, wenn manche Leute einfach nicht locker lassen wollen, obwohl man ihnen sagt, dass man einfach nur seine Ruhe haben möchte. Oder ich bin total sorglos und bekomme dann von tansanischen Freunden gesagt, dass ich mich mehr vorsehen sollte wenn ich um die Zeit noch raus gehen, oder das und jenes zu mache. Doch diese Einschränkungen nerven manchmal so sehr. Aus Deutschland bin ich einfach auch gewohnt, alles zu jeder Zeit  machen zu können. Wie ich will. Und auch ohne Probleme alleine irgendwo hinfahren. Das war immer ein total eigenständiges Gefühl. Ich konnte mich immer auf mich selber verlassen und hab das allein unterwegs sein auch genossen. Doch diese Eigenständigkeit wird einem hier teilweise genommen. Und wenn es einfach nur darum geht, sich mit anderen Mädels in der Stadt zu Essen zu verabreden. Wann müssen wir zurück? Können wir zu der Zeit noch allein Dala fahren? Können wir dann um 11 noch über diese Brücke gehen? Teilen wir uns nicht doch lieber ein Taxi? Bla, bla, bla…ich denk mir auch immer wieder, dass ich mich nicht einschränken lassen will. Man kann sich nämlich auch echt Angst machen lassen. Das merke ich bei vielen anderen Freiwilligen. Und dass haben auch die Jungs vom Verein gesagt. Obwohl man nicht so viele Geschichten von Überfällen oder ähnlichem hört, warte ich eigentlich nur darauf, dass ich irgendwan noch auf die Fresse falle, oder eben auch nicht!

            Neulich wurde die Mutter von einem Freund abends um 10 auf der Straße überfallen, bedroht und beraubt. Die Frau wurde echt übel zugerichtet und hat einen Schock für’s Leben weg. Es war weder spät abends, noch war sie jung, noch weiß…das hätte genauso gut uns passieren können…wie oft sind wir um die Zeit noch draußen unterwegs…zwei 20jährige Mzungu. Doch viel heftiger ist, was mit den Dieben passiert ist. Durch ihr Geschrei hat die Frau nämlich auf sich aufmerksam gemacht und andere Leute allamiert, die dann die Typen verfolgt haben. Einer der Täter wurde noch am selben Abend von Zivilisten ermordet. Und das ist völlig normal hier. Das selbe kann mit Dieben passieren. Wenn einem aus dem offenen Fenster das Handy geklaut wird, rennt der Geschädigte mit Sicherheit hinterher, bis er den Typen drangekrieft hat. Neulich ist ein Typ hinterher, obwohl der Dieb das Handy nicht bekommen hat…einfach nur um ihm eine zu verpassen. Da sind die hier knallhart. Da, wo die Justiz der Regierung nicht hinreicht, übernimmt sie das Volk und stellt seine eigenenen Regeln auf. Es scheint, als ob all die Menschen, die so hart arbeiten und um ihre Existenz kämpfen, alle verabscheuen, die sich auf „unehrliche“ Weise  durchs Leben bringen wollen (?) bzw. müssen. Das kann man so oder so sehen.

Karibu

 

Gerade hat sich eine Frau mit ihrem Essen (ich sitzt hier in so einer öffentlichen Kantine – ist ein guter Ort zum schreiben) neben mich gesetzt, mich freundlich angelächelt und ‘karibu’ gesagt. Das bedeutet so viel wie ‘Willkommen’ und wird hier meistens vor dem Essen gesagt um dem anderen zu zeigen, dass er sich gerne beteiligen darf. Auch wenn man, wie jetzt gerade, nichts mit den anderen am Tisch zu tun hat. Es ist eine eine reine Höflichkeitssache. Wörtlich nehmen darf man das aber, glaub ich, auch nicht. Man bedankt sich nur höflich. Habe auch noch nie jemanden gesehen, der dann tatsächlich beim Tischnachbar reingehauen hat.

 

…zurück nach Bagamoyo…

 

Den Aufbruch am nächsten Tag starteten wir viel zu spät. Ganz tansanisch kamen wir einfach nicht aus dem Tee. Wir wollten weiter nach Tanga, der nächstgrößten Stadt an der Küste. Doch das einziege was wir wussten, war der Weg zum Busbahnhof. Man glaube kaum, wie schwer es sein kann, herraus zu finden, ob und wann und wo eventuell ein Bus fahren könnte: die einen sagen ja, die anderen nein, und irgendeiner bietet einem ganz bestimmt eine Reise nach Arusha an…häääh, wir wolln nach Tanga, doch das interessiert keinen. Also fragen wir uns von Ort zu Ort weiter. Erst mit dem Dala, dann heißt es plötzlich irgendwo in der Shamba (Wildniss): ab hier gibt’s keinen Dala mehr, nur noch motorbikes…ach mal wieder…na dann rauf da bis zum nächsten Ort. Auf einer Schotterbiste, den Rucksack auf dem Rücken, hinten auf einem Motorrad mit 80kmh, der Fahrer spricht kein Wort Englisch, den Kopf voller Horrorgedanken…sie könnten uns einfach irgendwo in der Pampa absetzen und uns ausrauben, ein einzelner Stein genügt und das Ding gerät ins Schleudern, sind wir eigentlich total bescheuert…andererseits… rundherrum nichts als afrikanische Natur, es riecht nach Gras und Grün, am Horizont die Berge, ab und zu eine vereinzelte Hütte, nichts als ein paar Sachen auf dem Rücken. Nachdem sich mein Klammergriff ein bisschen entspannte und ich wieder normal atmen konnte war es einfach nur der absolute Wahnsinn! Der Muskelkater kam am nächsten Tag als schöne Erinnerung.

Ab dem nächsten Ort gab es sogar einen richtigen Reisebuss. Nachdem wir unser, immer-noch vom Glück berauschtes, Hirn wieder angeschaltet hatten und nicht auf die Einladung eines Lastfahrers zum trampen eingegangen waren. Die Busfreude hielt aber auch nur eine halbe Stunde lang. Motorschaden. Zum Glück noch nicht bezahlt. Auf halber Strecke rein in den nächsten Bus. Und dann tatsächlich erst mal ein paar Stunden Ruhe. Wenn man nicht gerade einen sehr gesprächigen Sitznachbar hat, was hier nicht gerade selten ist: die üblichen Fragen: wo kommst du her, was machst du hier, wie gefällt die Tansania…

Die letzten zwei Stunden dann noch mal im Dala. Solangsam wurde es wieder dunkel.

Eine Gefühlsmische aus Erschöpfung, Glück, und Ungewissheit…herlich die afrikanische Landschaft im Dämmerlicht…hoffentlich finden wir im Dunkeln noch eine gute Unterkunft in Tanga. Doch da hatte Hanna die rettende Idee. Ihr Gastbruder hatte ein paar Freunde in Tanga und die waren hilfsbereit zur Stelle. Hier mal wieder die tansanische Hilfsbereit-schaft auch völlig fremden Leuten gegenüber. Gemeinsam fanden wir ein Hostel unserer Preisklasse, sogar mit Frühstück und eigenem Bad (Luxus!) und hatten außerdem noch unsere ganz private Stadtführung am nächsten Tag.

Da viele Küstenstädte hier sehr muslimische geprägt sind wurden wir am nächsten Morgen vom Muezzin geweckt. Fasteten den ganzen Tag, da sich schwerlich etwas zu essen auftreiben lies und fanden am Abend zur Stoßzeit (!) das richtige Viertel in dem an jeder Straßenecke eine andere ‘Mama’ ihr Essen verkaufte. Plötzlich, zum Ramadan, gab es sogar mal etwas anderes außer Reis und Ugali. Süße Nudeln mit süßen Bohnen landeten auf meinem Teller. Nur zu empfehlen! Leider konnten wir die vollen Bäuche nicht wie geplant des Nachts wieder leertanzen. Ramadan. Alles zu! (Sogar in Dar sind viele Clubs zu dieser Zeit geschlossen, owbwohl der Rammadan dort kaum spürbar war).

Witzig ist, dass ich, wenn ich irgendwo hin fahre, in eine Stadt zum Beispiel, vorher immer das Bild einer deutschen Kleinstadt im Kopf habe. Man stellt sich ja manchmal so vor, wie der Ort aussehen wird, in den man kommt. Und obwohl ich die ganze tansanische Realität um mich herrum habe, ist dieses deutsche Bild offensichtlich so tief drin. Da wird dann deutlich, wie lange ich in Deutschland gelebt habe und wie kurz, im Kontrast dazu, ich erst hier bin.

Auf jeden Fall habe ich in Tanga auch mal wieder gemerkt, das ich mich in den arabisch geprägten Gebieten sehr wohl fühle. Das Gefühl hatte ich auf Zanzibar auch schon. Die zwei Tage in Tanga wurden wir viel weniger angelabert, belästigt oder blöde angeglotzt, obwohl hier mit Sicherheit viel weniger ‘Wazungu’ rumlaufen als in Dar. Ob das jetzt am Islam oder an der Salzluft liegt…da fehlt mir noch die Erfahrung. Auch hätte ich vorher immer gedacht, dass ich mich in den muslimischen Gebieten total unfrei und beklemmt fühlen würde. Doch überhaupt nicht. Zwischen allem herrscht so eine gewisse Distanz. Wie ein ‘Höflichkeits-Respekt-Abstand’. Das kann natürlich auch nur nach außen gekehrt sein und im Untergrund sieht es ganz anders aus. Doch erst mal fühlt es sich ganz angenehm an. Ebenso mit den Frauen, die von oben bis unten in schwarze Tücher gehüllt sind (Hidschab). Von denen sieht  man in Dar kaum welche, doch hier sehr oft. Ihnen zu begegnen flösst mir kein beklemmtes, unangenehmes Gefühl ein. Vielmehr verströmen sie eine Aura von Respekt und Leidenschaft. So schwierig dieses Thema auch ist und so viele Frauen sich mit dieser Verhüllung sicherlich auch unterdrückt fühlen, es gibt auch die andere Seite. Eine Freundin von Zanzibar hat mir erzählt, dass dort nur die stolzesten  und selbstbewusstesetn Frauen ihr Gesicht verschleiern. Mir scheint es, dass das auch ganz viel mit Achtung vor einander und vor sich selber zu tun.

Im Prinziep ist das auch mein erster nennenswerter Kontakt mit dem Islam. Also, all ihr weltgebildeten Leser, habt Nachsicht mit mir, sollte ich politisch unkoreckt werden. ‘Mtoto mdogo anajifunza tu’ (das Kind lernt noch).

Abschied

 

Schließlich war unser Trip nicht so lang, denn wir mussten zurück um eine Freundin zu verabschieden, die zurück nach Deutschland fliegt. Sie kam zur selben Zeit wie wir, blieb aber nur für drei Monate, hat bei uns in der Gegend gewohnt, war eine super tolle Frau und wir haben viel mit ihr gemacht und erlebt. Es ist schon komisch, hier Leute zu verabschieden. Die meisten bleiben für ein paar Monate oder ein halbes Jahr. Wir sehen sie kommen und auch wieder gehen. Ein bisschen hat es auch ein Gefühl von Zurückbleiben. Dieses Gefühl hält dann nicht lange an, da ich jetzt um keinen Preis gehen wollen würde, doch komisch ist es erst mal.

Auch unsere zeitweilige Mitbewohnerin hat uns verlassen und ist nach Deutschland zurück. Jetzt haben wir die Bude wieder für uns. Auch komisch irgendwie. Doch irgendwer kommt immer vorbei und braucht ne Penne für’n paar Nächte. Manchmal kommen wir uns schon wie ein Hostel vor. Doch so ist schließlich auch immer was los.

 

Wieder zurück in Dar war es aber auch schön die ganzen Leute von hier wieder zu sehen. Ja, wir kennen auch schon jemanden ;-) auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Scheiß Swahili…

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