Hi meine Lieben,
so jetzt melde ich mich endlich mal bei euch. Ich weiß, viel zu spät, aber ich komme hier wirklich zu gar nichts. Erstens ist voll viel zu tun und zweitens dauert hier alles, was man macht um einiges länger als in Deutschland.
Obwohl ich erst eine Woche hier bin, kommt es mir schon wie eine Ewigkeit vor und mir scheint, dass unser Abschied schon wahnsinnig lange her ist. Ich war froh, dass letztendlich alles so schnell ging, denn eure Tränen haben mir fast das Herz gebrochen und das meine ich ernst. Vielen, vielen Dank noch mal für die lieben Geschenke und die netten Stunden am Flughafen. Ich habe es sehr genossen und mich voll gefreut.
Besonders die ersten Tage war es echt schlimm mit dem Heimweh (ja, ja die Romy), aber jetzt ist es gut. Mittlerweile haben Rebecca und ich uns hier auch schon so richtig eingelebt. Das Haus ist echt der Wahnsinn. 3/4 gehört der Gastfamilie und 1/4 uns. Drei große Zimmer + Badezimmer und Küche. Echter Luxus. Aber es ist auch ein gutes Gefühl eine gemütliches Heim zu haben, bei all dem Fremden um uns herum. Seit wir am Wochenende hier so richtig „klar Schiff“ gemacht haben fühlt es sich auch langsam so an, als würden wir nicht nur Urlaub machen, sondern … aber das Jahr will mir trotzdem noch nicht in den Kopf. Im Prinzip können wir hier schalten und walten wie wir wollen. Da einer der Kawaida-Jungs im Moment noch hier wohnt hat das ganze so einen WG-Charakter und das ist sehr geil!
Außerdem ist man hier so gut wie nie allein. Immerzu schneit irgendwer rein. Die Jungs waren ja schon oft hier und kennen ne Menge Leute. Die sind alle echt super nett. Neben den ganzen Erkundungsgängen (im Moment laufen wir den Jungs noch ganz schön hinterher; sie zeigen uns halt alles und das ist auch erst mal gut so; alles furchtbar chaotisch hier) sind wir auch viel mit denen unterwegs. Ein bisschen anstrengend ist, dass man hier ständig von irgendwem angelabert wird!!
Die Abende sind meist lang, das Bier ist gut (womit ich garnicht gerechnet hätte
).
Nur an die Clubs muss ich mich, glaub ich, erst noch gewöhnen. Einerseits sind Mädels da sowieso rar, andererseits ist das auch verständlich, da man keinen Schritt tun kann ohne angelabert, begafft oder im schlimmsten Falle begrabscht zu werden (alles wahrscheinlich nicht böse gemeint, zumindest meistens, ist einfach ne andere Kultur??). Am Anfang haben wir noch getanzt, aber irgendwann war es mir dann zu viel!
Doch im Moment hält sich unsere Power eh in Grenzen. Rebecca hat angefangen und jetzt liegen wir alle der Reihe nach lang. Die ganze Mucke: Halsschmerzen, Fieber, Schnupfen, etc. Ich bin im Allgemeinen noch ganz gut weggekommen. Doch folglich sind die Tage gerade eher ruhig. Was nicht heißt, dass es langweilig wird: Jeder Gang zur Duka (an jeder Straßenecke gibts so kleine Läden in denen man so ziemlich alles kaufen kann, was man so im Alltag braucht) ist eine Herrausforderung, doch unser Kiswahili wird von Tag zu Tag besser; nur in sehr kleinen Schritten, aber es macht wahnsinnig viel Spaß.Außerdem steht man ständig unter Strom, da es immer was Neues zu bewältigen gibt. Vielleicht auch daher die Krankheit. Innerlich kommen wir halt nicht so richtig zur Ruhe.
Es gibt einfach zu viel zu erzählen und vieles muss auch erst mal verarbeitet werden.
Aber jetzt erst mal zum Essen (was sonst
… ). Zum Frühstück gibt es hier hauptsächlich so Fettgebäck. Einmal Fladen (Chapati) aus Mehl, Wasser und Salz, in Fett gebraten und so was ähnliches wie Quarkkeulchen, nur ohne Quark. Alles sehr geil, aber auch sehr schwer und fettig, wenn man Brötchen und Cornflakes gewohnt ist. Dazu gibts Erdnussbutter (aus lokaler Produktion), die ist einfach der Wahnsinn, und auch Marmelade. Ansonsten gibt es hier alles mögliche an Früchten. Nicht zu vergleichen mit dem Zeug, dass man bei uns zu kaufen bekommt. Viel, viel besser!!! Und auch eine gute/frische Abwechslung. Den Rest des Tages gibt es ziemlich viel Reis und Maisbrei. Meistens mit Bohnen, Kraut oder auch allem nur Erdenklichen an Fleisch und Fisch (von dem ich mich aber im Moment noch fern halte). Kochbananen sind auch sehr geil. Und das Beste überhaupt: die essen alles mit den Fingern. Meistens wird damit noch so richtig rumgemanscht, aus dem Maisbrei werden in der Handfläche kleinen Kugeln geformt und dann mit der Beilage gefüllt. Ist schon echt geil. Kann garnicht genug davon bekommen. Kaffee gibts nur “Instant” (schreibt man das so? egal!), zu meinem Leid!!!, aber der Tee ist super. Und das Bier ist auch echt in Ordnung (hatte ich glaub ich schon erwähnt…). Wenn die Speisen auch noch so einfach sind, es schmeckt super lecker. Wahrscheinlich schmeckt man bei uns immer garnicht so viel, weil man immer so viel auf einmal und total überwürzt ist.
So, und jetzt nach den Essensbeschreibungen, so ganz nach Romy-Art, was zur Hygiene…im Moment halten wir uns noch strikt an unser “Toilett-Paper”, obwohl das hier unüblich ist…da hält im Allgemeinen die linke Hand für her…aber immer step by step
Aber wir haben fließend Wasser (auch absoluter Luxus hier). Nur kalt, aber nach was anderem verlangts mir bei den Temperaturen auch garnicht. Neulich stand ich unter der Dusche und hatte den ganzen Körper, inklusive Haare, voller Schaum. Hinnzu kam ein Stromausfall, nicht selten hier, und da es Nacht war, wurde die Prozession mit Kerzenlicht fortgeführt. Erkenntnis: nur noch bei Tageslicht duschen! So lernt man halt auch.
Auch gewöhnungsbedürftig ist der Dreck auf den Straßen. Alles ist voller Müll. Eine Abfallentsorgung gibt es nicht. Meistens wird das Zeug einfach verbrannt und dementsprechend riecht es dann auch. Verstärkt wird der Geruch dann noch durch die Hitze. Hinzu kommt der Staub, der wirklich überall und irgendwann auch auf allen Schleimhäuten ist. Wir waren die ersten Tage total heiser. Doch die Menschen hier leben mit und in dem Müll. Überall sind Kinder, an jeder Ecke wird irgendwas verkauft, das Leben spielt sich quasi auf der Straße ab. Man kann den ganzen Tag in der Stadt unterwegs sein und sich komplett ernähren. Zumal die Preise hier echt ein Witz sind. Für eine Portion Reis mit Bohnen bezahlt man im Durchschnitt 600 Shilling, das sind umgerechnet ca. 30 cent. Schon krass irgendwie. Und noch krasser ist, dass man irgendwann anfängt, in diesem Maßstab zu denken. Da sind dann 1000 shilling für die selbe Portion schon viel Geld. Aber das lässt sich dann auch schnell ändern, denn die sind hier alle total “Handelgeil”, in den kleinen Läden gibt es meist keine festen Preise. Nur das ich dafür leider garkein Händchen habe, aber das kommt vielleicht noch.
Mit Rebecca komme ich wirklich sehr gut klar. Wir sind beide sehr verschieden, aber im Moment ergänzen wir uns sehr gut. Sie legt z.B. Viel mehr Wert aufs Saubermachen…mein Bett ist jeden Morgen frisch gemacht
Auch vom Charakter und den Interessen gehen wir sehr auseinander (besonders was die Musik angeht) aber wir sind da beide sehr tolerant und für eine Diskussion immer zu haben. Ich denke, dass wird echt gut laufen!
Ach, und ich kann euch noch von dem super Strand erzählen, an dem ich war. Ein bisschen außerhalb von der Stadt, total ruhig, kaum Menschen, weißer Sand, Palmen, hellblaues Wasser und ein Wetterchen…! Da kam selbst bei mir, dem kleinen Strandmuffelchen, Freude auf. Echt wie im Film. Ich weiß zwar noch nicht, was ich von Rebeccas Vorschlag, da jedes Wochenende hinzufahren, halten soll, aber wir werden sehen.
Auf jeden Fall freue ich mich schon, wenn ich im August anfange zu arbeiten. Bis dahin wird mir dieses Urlaubsgedaller sicher über sein. Aber bis dahin gibts auch noch vieles zu lernen! Und so’ne ruhige Anfangszeit zum Eingewöhnen ist auch echt geil. Gleich am Anfang arbeiten und ich wäre mit Sicherheit total überfordert.
Soweit erstmal. Seid alle ganz lieb gedrückt, eure Romy