Jetzt ist auch der September rum. Neulich ist mir mal aufgefallen, dass ich am Anfang des Jahres noch in Deutschland in der Schule saß. Ist schon ein krasser Gedanke.
Reise
4Oktober, 2008 um 8:10 (Uncategorized)
Die letzten zwei Wochen hatten wir Urlaub. Schulferien (lässt mich also doch noch nicht ganz los). Direkt am Freitag haben wir uns erst mal aufgemacht. Seit einieger Zeit ist in meiner Schule auch noch eine Hamburgerin, die für drei Monate in Dar bleibt. Die haben wir auch erst mal noch eingesackt. Also dann mit dem Rucksack rein in den Dala und auf nach Bagamoyo. Nördlich von Dar es Salaam an der Küste. Die Straße verläuft mehr oder weniger in Küstennähe, sodass, wenn das Land falch ist, immer mal wieder das Meer durchschimmert.
Bagamoyo – ‘Leg dein Herz nieder’
4Oktober, 2008 um 8:09 (Uncategorized)
noch mal für ein Wochenende hin.
In Bagamoyo angekommen, werden wir erst mal ganz typisch von einer Traube Männer umringt, die uns entweder ein Taxi oder eine Unterkunft anbieten wollen. Wir verbringen auch tatsächlich den ganzen Nachmittag/Abend damit etwas passendes zu finden. Es ist machmal schwierig ein zu schätzen. Entweder man findet die absoluten Luxuspaläste mit den entsprechenden Preisen (die dann sogar erst mal in Dollar und nicht in Shilling angegeben werden, was schon ein Zeichen ist) oder man gerät an die absoluten Löcher, bei denen man lieber nicht wissen will, was in den Betten vorher passiert ist. Unsere Preispsanne lag bei ca. 20/25000 Sh. Das sind dann ca. 10 Euro die Nacht. Das blöde ist nur, dass man auf keinen Fall stehen bleiben sollte und den Eindruck von Hilflosigkeit erwecken sollte, um nicht gleich wieder viele fleißige Helfer anzulocken. Schließlich hatten die Wazungu eine ganze Runde durch die Stadt gemacht, welche sich auch als wesentlich kleiner entpuppte als erwartet.
Zwischendurch mal wieder von Typen „verfolgt“. Die haben uns einfach nur vollgelabert. Doch es ist so heftig, dass man die Situation immer noch nicht einschätzen kann. Wir waren total abeneigt und wahrscheinlich auch ziemlich unfreundlich.
‘In the end’ ließen wir uns dann doch bequatschen. Es war einfach schon zu dunkel, um noch lange weiter zu suchen. Unsere Leibgarde lotste uns dann schließlich zu einem Hostel. Als wir den Hof betraten sank uns erstmal das Herz in die Hose, da es total dunkel war, das Tor hinter uns zu gemacht wurde und wir mit den ganzen Typen allein waren. Und plötzlich waren da auch wieder die Typen, die uns vorher schon am Strand genervt hatten. Doch dann wurde uns die Besitzerin des Hauses vorgestellt: eine Amerikanerin, eine Weiße. Es ist erschreckend zu sagen, und wir haben darüber auch noch lange disskutiert, doch ganz plötzlich, von einem Moment zum nächsten, fühlten wir uns vollkommen sicher.
Wie viel eine Hautfarbe doch ausmachen kann, wenn man allein unter Fremden ist. Hätte ich selber nie gedacht. Dabei hätte das genauso ein Reinfall sein können. Doch dann hatte die Aufregung ein Ende. Das Hostel war super, die Frau echt nett und wir waren froh, endlich unsere Sachen sicher untergebracht zu haben.
Begossen wurde das ganze anschließend mit Bier in der Dorfkneipe (die Hälfte der Getränke wurden uns vom Nachbartisch ausgegeben; diesmal ohne noch blöde be-quatscht zu werden).
Am nächsten Morgen gab es ein Geburtstagsfrühstück für die Rebecca und eine unerwartete Wendung für den Tagesablauf. Wir hatten überlegt uns Fahhräder auszuleihen um die Stadt zu erkunden. Doch dann kam eines jener typischen Motorbike-Taxis an uns vorbei gerauscht, die für diesem Trip viel geeigneter schienen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, doch die anderen beiden fanden die Bikes wesentlich interessanter. Die „Strandtypen“ vom Vortag machten für uns den Deal. Die Besitzer der Maschienen müssen sich ‘nen Keks gefreut haben über die Kohle, die wir ihnen gegeben haben um die Dinger für einen Tag auszuleihen. Es brauchte ein paar Überredungskünste, um mich auf die Maschiene zu kriegen (mir waren die noch nie geheuer), doch es stelte sich als erstaunlich einfach raus. Da Hanna und ich schon Autofahrerfahrung haben war es für uns weniger ein Problem als für Rebecca.
Dann gings raus aus der Stadt, an der Steilküste entlang auf einem alten Schotterweg. Links unter uns das hellblaue Meer und der weiße Strand. Über uns der strahlende Himmel, nicht eine Wolke und der Wind in unserem Haar. Ich weis, das hört sich super kitschig an, doch es war einfach der Wahnsinn.
Der Ort an sich war wesentlich kleiner als wir gedacht hatten. Total verschlafen. Doch es gibt viele sehr alte arabische und deutsch-kolonialistische Bauten die unglaublich schön verlassen aussehen. Als wir am ersten Abend im Dämmerlich ankamen, waren diese Überbleibsel der deutschen und arabischen Vergangenheit in ein unglaubliches Licht getaucht…dazu die Salzluft und der Wind vom Meer…
Demnächst ist in Bagamoyo ein internationales Musik- und Tanzfestival, welches jedes Jahr stattfindet. Bagamoyo ist berühmt für sein „College of Arts“. Vielleicht fahren wir dann
Unfreiheit
4Oktober, 2008 um 8:07 (Uncategorized)
Auf jeden Fall hat mir schon dieser erste Tag „auf Reisen“ gezeigt wie unfrei sich man hier auch fühlen kann. Obwohl ich, auch bevor ich herkam, wusste, dass das Reisen als Frau allein schwierig sein kann, dachte ich mir doch, dass das schon irgendwie gehen wird. Doch jetzt weis ich, wie froh ich war, dass ich mit Reecca und Hanna zusammen war. Ich merke immer wieder, dass ich viele Situationen und auch viele Menschen noch nicht richtig ein schätzen kann. Entweder werde ich aggressiv, wenn manche Leute einfach nicht locker lassen wollen, obwohl man ihnen sagt, dass man einfach nur seine Ruhe haben möchte. Oder ich bin total sorglos und bekomme dann von tansanischen Freunden gesagt, dass ich mich mehr vorsehen sollte wenn ich um die Zeit noch raus gehen, oder das und jenes zu mache. Doch diese Einschränkungen nerven manchmal so sehr. Aus Deutschland bin ich einfach auch gewohnt, alles zu jeder Zeit machen zu können. Wie ich will. Und auch ohne Probleme alleine irgendwo hinfahren. Das war immer ein total eigenständiges Gefühl. Ich konnte mich immer auf mich selber verlassen und hab das allein unterwegs sein auch genossen. Doch diese Eigenständigkeit wird einem hier teilweise genommen. Und wenn es einfach nur darum geht, sich mit anderen Mädels in der Stadt zu Essen zu verabreden. Wann müssen wir zurück? Können wir zu der Zeit noch allein Dala fahren? Können wir dann um 11 noch über diese Brücke gehen? Teilen wir uns nicht doch lieber ein Taxi? Bla, bla, bla…ich denk mir auch immer wieder, dass ich mich nicht einschränken lassen will. Man kann sich nämlich auch echt Angst machen lassen. Das merke ich bei vielen anderen Freiwilligen. Und dass haben auch die Jungs vom Verein gesagt. Obwohl man nicht so viele Geschichten von Überfällen oder ähnlichem hört, warte ich eigentlich nur darauf, dass ich irgendwan noch auf die Fresse falle, oder eben auch nicht!
Neulich wurde die Mutter von einem Freund abends um 10 auf der Straße überfallen, bedroht und beraubt. Die Frau wurde echt übel zugerichtet und hat einen Schock für’s Leben weg. Es war weder spät abends, noch war sie jung, noch weiß…das hätte genauso gut uns passieren können…wie oft sind wir um die Zeit noch draußen unterwegs…zwei 20jährige Mzungu. Doch viel heftiger ist, was mit den Dieben passiert ist. Durch ihr Geschrei hat die Frau nämlich auf sich aufmerksam gemacht und andere Leute allamiert, die dann die Typen verfolgt haben. Einer der Täter wurde noch am selben Abend von Zivilisten ermordet. Und das ist völlig normal hier. Das selbe kann mit Dieben passieren. Wenn einem aus dem offenen Fenster das Handy geklaut wird, rennt der Geschädigte mit Sicherheit hinterher, bis er den Typen drangekrieft hat. Neulich ist ein Typ hinterher, obwohl der Dieb das Handy nicht bekommen hat…einfach nur um ihm eine zu verpassen. Da sind die hier knallhart. Da, wo die Justiz der Regierung nicht hinreicht, übernimmt sie das Volk und stellt seine eigenenen Regeln auf. Es scheint, als ob all die Menschen, die so hart arbeiten und um ihre Existenz kämpfen, alle verabscheuen, die sich auf „unehrliche“ Weise durchs Leben bringen wollen (?) bzw. müssen. Das kann man so oder so sehen.
Karibu
4Oktober, 2008 um 8:06 (Uncategorized)
Gerade hat sich eine Frau mit ihrem Essen (ich sitzt hier in so einer öffentlichen Kantine – ist ein guter Ort zum schreiben) neben mich gesetzt, mich freundlich angelächelt und ‘karibu’ gesagt. Das bedeutet so viel wie ‘Willkommen’ und wird hier meistens vor dem Essen gesagt um dem anderen zu zeigen, dass er sich gerne beteiligen darf. Auch wenn man, wie jetzt gerade, nichts mit den anderen am Tisch zu tun hat. Es ist eine eine reine Höflichkeitssache. Wörtlich nehmen darf man das aber, glaub ich, auch nicht. Man bedankt sich nur höflich. Habe auch noch nie jemanden gesehen, der dann tatsächlich beim Tischnachbar reingehauen hat.
…zurück nach Bagamoyo…
Den Aufbruch am nächsten Tag starteten wir viel zu spät. Ganz tansanisch kamen wir einfach nicht aus dem Tee. Wir wollten weiter nach Tanga, der nächstgrößten Stadt an der Küste. Doch das einziege was wir wussten, war der Weg zum Busbahnhof. Man glaube kaum, wie schwer es sein kann, herraus zu finden, ob und wann und wo eventuell ein Bus fahren könnte: die einen sagen ja, die anderen nein, und irgendeiner bietet einem ganz bestimmt eine Reise nach Arusha an…häääh, wir wolln nach Tanga, doch das interessiert keinen. Also fragen wir uns von Ort zu Ort weiter. Erst mit dem Dala, dann heißt es plötzlich irgendwo in der Shamba (Wildniss): ab hier gibt’s keinen Dala mehr, nur noch motorbikes…ach mal wieder…na dann rauf da bis zum nächsten Ort. Auf einer Schotterbiste, den Rucksack auf dem Rücken, hinten auf einem Motorrad mit 80kmh, der Fahrer spricht kein Wort Englisch, den Kopf voller Horrorgedanken…sie könnten uns einfach irgendwo in der Pampa absetzen und uns ausrauben, ein einzelner Stein genügt und das Ding gerät ins Schleudern, sind wir eigentlich total bescheuert…andererseits… rundherrum nichts als afrikanische Natur, es riecht nach Gras und Grün, am Horizont die Berge, ab und zu eine vereinzelte Hütte, nichts als ein paar Sachen auf dem Rücken. Nachdem sich mein Klammergriff ein bisschen entspannte und ich wieder normal atmen konnte war es einfach nur der absolute Wahnsinn! Der Muskelkater kam am nächsten Tag als schöne Erinnerung.
Ab dem nächsten Ort gab es sogar einen richtigen Reisebuss. Nachdem wir unser, immer-noch vom Glück berauschtes, Hirn wieder angeschaltet hatten und nicht auf die Einladung eines Lastfahrers zum trampen eingegangen waren. Die Busfreude hielt aber auch nur eine halbe Stunde lang. Motorschaden. Zum Glück noch nicht bezahlt. Auf halber Strecke rein in den nächsten Bus. Und dann tatsächlich erst mal ein paar Stunden Ruhe. Wenn man nicht gerade einen sehr gesprächigen Sitznachbar hat, was hier nicht gerade selten ist: die üblichen Fragen: wo kommst du her, was machst du hier, wie gefällt die Tansania…
Die letzten zwei Stunden dann noch mal im Dala. Solangsam wurde es wieder dunkel.
Eine Gefühlsmische aus Erschöpfung, Glück, und Ungewissheit…herlich die afrikanische Landschaft im Dämmerlicht…hoffentlich finden wir im Dunkeln noch eine gute Unterkunft in Tanga. Doch da hatte Hanna die rettende Idee. Ihr Gastbruder hatte ein paar Freunde in Tanga und die waren hilfsbereit zur Stelle. Hier mal wieder die tansanische Hilfsbereit-schaft auch völlig fremden Leuten gegenüber. Gemeinsam fanden wir ein Hostel unserer Preisklasse, sogar mit Frühstück und eigenem Bad (Luxus!) und hatten außerdem noch unsere ganz private Stadtführung am nächsten Tag.
Da viele Küstenstädte hier sehr muslimische geprägt sind wurden wir am nächsten Morgen vom Muezzin geweckt. Fasteten den ganzen Tag, da sich schwerlich etwas zu essen auftreiben lies und fanden am Abend zur Stoßzeit (!) das richtige Viertel in dem an jeder Straßenecke eine andere ‘Mama’ ihr Essen verkaufte. Plötzlich, zum Ramadan, gab es sogar mal etwas anderes außer Reis und Ugali. Süße Nudeln mit süßen Bohnen landeten auf meinem Teller. Nur zu empfehlen! Leider konnten wir die vollen Bäuche nicht wie geplant des Nachts wieder leertanzen. Ramadan. Alles zu! (Sogar in Dar sind viele Clubs zu dieser Zeit geschlossen, owbwohl der Rammadan dort kaum spürbar war).
Witzig ist, dass ich, wenn ich irgendwo hin fahre, in eine Stadt zum Beispiel, vorher immer das Bild einer deutschen Kleinstadt im Kopf habe. Man stellt sich ja manchmal so vor, wie der Ort aussehen wird, in den man kommt. Und obwohl ich die ganze tansanische Realität um mich herrum habe, ist dieses deutsche Bild offensichtlich so tief drin. Da wird dann deutlich, wie lange ich in Deutschland gelebt habe und wie kurz, im Kontrast dazu, ich erst hier bin.
Auf jeden Fall habe ich in Tanga auch mal wieder gemerkt, das ich mich in den arabisch geprägten Gebieten sehr wohl fühle. Das Gefühl hatte ich auf Zanzibar auch schon. Die zwei Tage in Tanga wurden wir viel weniger angelabert, belästigt oder blöde angeglotzt, obwohl hier mit Sicherheit viel weniger ‘Wazungu’ rumlaufen als in Dar. Ob das jetzt am Islam oder an der Salzluft liegt…da fehlt mir noch die Erfahrung. Auch hätte ich vorher immer gedacht, dass ich mich in den muslimischen Gebieten total unfrei und beklemmt fühlen würde. Doch überhaupt nicht. Zwischen allem herrscht so eine gewisse Distanz. Wie ein ‘Höflichkeits-Respekt-Abstand’. Das kann natürlich auch nur nach außen gekehrt sein und im Untergrund sieht es ganz anders aus. Doch erst mal fühlt es sich ganz angenehm an. Ebenso mit den Frauen, die von oben bis unten in schwarze Tücher gehüllt sind (Hidschab). Von denen sieht man in Dar kaum welche, doch hier sehr oft. Ihnen zu begegnen flösst mir kein beklemmtes, unangenehmes Gefühl ein. Vielmehr verströmen sie eine Aura von Respekt und Leidenschaft. So schwierig dieses Thema auch ist und so viele Frauen sich mit dieser Verhüllung sicherlich auch unterdrückt fühlen, es gibt auch die andere Seite. Eine Freundin von Zanzibar hat mir erzählt, dass dort nur die stolzesten und selbstbewusstesetn Frauen ihr Gesicht verschleiern. Mir scheint es, dass das auch ganz viel mit Achtung vor einander und vor sich selber zu tun.
Im Prinziep ist das auch mein erster nennenswerter Kontakt mit dem Islam. Also, all ihr weltgebildeten Leser, habt Nachsicht mit mir, sollte ich politisch unkoreckt werden. ‘Mtoto mdogo anajifunza tu’ (das Kind lernt noch).
Abschied
4Oktober, 2008 um 8:04 (Uncategorized)
Schließlich war unser Trip nicht so lang, denn wir mussten zurück um eine Freundin zu verabschieden, die zurück nach Deutschland fliegt. Sie kam zur selben Zeit wie wir, blieb aber nur für drei Monate, hat bei uns in der Gegend gewohnt, war eine super tolle Frau und wir haben viel mit ihr gemacht und erlebt. Es ist schon komisch, hier Leute zu verabschieden. Die meisten bleiben für ein paar Monate oder ein halbes Jahr. Wir sehen sie kommen und auch wieder gehen. Ein bisschen hat es auch ein Gefühl von Zurückbleiben. Dieses Gefühl hält dann nicht lange an, da ich jetzt um keinen Preis gehen wollen würde, doch komisch ist es erst mal.
Auch unsere zeitweilige Mitbewohnerin hat uns verlassen und ist nach Deutschland zurück. Jetzt haben wir die Bude wieder für uns. Auch komisch irgendwie. Doch irgendwer kommt immer vorbei und braucht ne Penne für’n paar Nächte. Manchmal kommen wir uns schon wie ein Hostel vor. Doch so ist schließlich auch immer was los.
Wieder zurück in Dar war es aber auch schön die ganzen Leute von hier wieder zu sehen. Ja, wir kennen auch schon jemanden
auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Scheiß Swahili…
Regen
4Oktober, 2008 um 8:03 (Uncategorized)
So langsam kommen wir der Regenzeit auch immer näher. Das merkt man daran, dass es zwischendurch immer wieder so ein paar Regentage gibt. Da heißt es dann 2h strömender Regen, kurz trocknen, dann wieder Regen. Den einen Tag war ich in der Stadt (also im Stadtzentrum bei der Post) als es losging. Der Regen war so heftig, dass kurzzeitig alle Straßen unter Wasser standen und garnichts mehr ging. Es wahr auch unglaublich laut. Ist schon ein geiles Bild: erst sind die Straßen total vollgestopft mit Menschen und dann plötzlich hocken sie alle unter irgendwelchen Dächern. Für bestimmt ne halbe Stunde. Während ich irgendwann ungeduldig wurde und mir einen trockenen Weg gesucht habe (die müssen auch gedacht haben: wie blöde muss man denn sein…stimmt auch…war anschließend völlig durchnässt!) standen die Tansanier in völliger Ruhe und haben gewartet. Recht haben sie, was bringts sich aufzuregen. Und wenn’s doch mal langweilig wird, ist der Nächststehende bestimmt zu einem Pläuschen bereit. Auch geil ist, dass ich im ersten Moment dachte: Scheiße, total nass und verdreckt mit Schlamm (war auf dem Weg zum ‘Immigration Centre’ und hatte was ‘Anständiges’ angezogen). Doch auch das spielt keine Rolle mehr. Der Regen ist ein Teil des Zyklus und die Menschen geben sich diesem kompromisslos hin. Es ist dann normal, dass man, bis zum Knie im Wasser, zum Bus watet. Die Turnschuhe komplett durch…doch keine Miene verzogen. Die Frauen können noch so aufgetakelt sein…der Regen gehört dazu.
Zu dieser Zeit wird es dann auch immer angenehm kühl, weshalb Regen hier auch ’schönes Wetter’ bedeutet. Da kann ich nur zustimmen. Es ist einfach herrlich.
Tansanisch, Tansanisch
4Oktober, 2008 um 8:02 (Uncategorized)
Doch nun zum tansanischsten Tag bisher überhaupt. Hätte ich nicht bereits ein bisschen afrikanische Gelassenheit aufgeschnappt…ich hätte mehrmals täglich geheult. Statt dessen haben wir unglaublich viel gelacht, da es manchmal einfach nicht mehr zu fassen war. Erstaunlicher Weise, war es gleichzeitig auch mein Geburtstag!
Nach einem unglaublich schönen Geburtstagfrühstück, von Rebecca bereitet, hatten wir folgenden Plan: in die Stadt fahren, um Briefe bei der Post abzugeben, einen Brief beim ‘Immigration Centre’ abzugeben, ins Einkaufszentrum um für das Geburtstagsessen einzukaufen. Eigentlich keine große Sache…denkste…ein ganzer Tag ging da drauf. 1h auf den Bus gewartet, 2h mit dem Bus in die Stadt (normalerweise ½h), 10min bei der Post, wieder 1h Bus im Stehen (für eine Strecke von 15min), 2h einkaufen, wieder Bus…kurz Pause zu Hause…Mehl für den Pizzateig kaufen…feststellen, dass das Mehl für Ugali gedacht war (leider erst festgestellt, nachdem der Teig schon eine Stunde gegangen war)…wieder von vorne anfangen…die Zeit rennt…Kuchen backen…der Ofen geht nicht…wurde abgestellt…rüber zur Familie…Grundsatzdiskussion über die Miete und den Gebrauch des Herdes…dann doch endlich den Kuchen in den Ofen…auf halber Strecke Stromausfall…Kerzen kaufen…alles im Dunkeln weiter…die Gäste trudeln so langsam ein…Kuchen noch nicht mal fertig…der Pizzateig geht wenigstens auf…tausend Dank!!!…doch ohne Strom kein Ofen, keine Pizza…scheiße, scheiße, scheiße…Strom wieder da…die ganze Küche steht unter Wasser…Schaden an der Leitung…wieder rüber zur Familie…’können wir erst Morgen reparieren’…also jetzt Wasser aus dem Bad holen…den Boden mit den Vorhängen aufwischen, da nicht genügend Handtücher da sind…doch ‘in the end’: Kuchen und Pizza supergeil und selber total erledigt. Wovon? Vom Kochen. Na super!!! War trotzdem ein geiler Abend!!!
Aberglaube
4Oktober, 2008 um 8:01 (Uncategorized)
Wir wurden hier schon öfter mit einer bestimmten Story konfrontiert. Da laufen wir in Tanga so am Strand lang. Da kommen plötzlich zwei Typen und fragen uns ob wir Deutsche wären und ob wir mit ihnen nach Arusha kommen könnten um ihnen zu helfen das Gold zu bekommen. Wir kannten die Story schon und meinten wir kämen aus Östereich. Sofort ließen sie von uns ab und verloren das Interesse.
„Als die deutschen Kolonialherren das Land verließen waren sie in großer Eile. Sie konnten nicht alle ‘Schätze’ mitnehmen, die sie in Tansania gelagert hatten. Desshalb bargen sie Gold, Diamanten und viele andere Sachen unter der Erde (in Arusha,Manyara) und hinterließen ein paar Zeichen um den Ort zu kennzeichnen. Außerdem brachten sie ’some witchcraft’ an, um zu verhindern, dass ‘tansanian people’ die Sachen ausgraben könnten. Wenn sie es versuchen, geschehen ominöse Dinge, die auf die Zaubersprüche, die ‘medicine’, der Deutschen zurückzuführen sind. Doch viele Deutsche waren bisher fähig, die Sachen zu nehmen.“
Richtige Experten arbeiten an der Geschichte und die meisten Tansanier glauben es. Sie fürchten sich dort hin zu gehen. Sie fürchten, dass ihnen etwas passieren könnte.
Körperkontakt
4Oktober, 2008 um 7:53 (Uncategorized)
An die Kontaktfreudigkeit der Tansanier habe ich mich schon ganz gut gewöhnt. Wenn man z.B. jemandem zur Begrüßung die Hand gibt, halten sie die manchmal für ne ganze Minute fest. Da steht man dann, Händeschüttelnd und denkt sich: ‘langsam reichts aber’. Oder wenn irgendwer einen Witz macht, schlagen sie gerne mal mit der Hand ein. Oder sie laufen Hand in Hand die Straße entlang. Auch Männer voll oft Arm in Arm. Oder einfach mal den Arm um jemanden legen, etc. Alles so Sachen, die in Deutschland überhaupt nicht laufen. Da würde man immer gleich denken, zwischen den beiden läuft was. Hier ist das völlig normal.
Da ich mich daran schon ganz gut gewöhnt habe, habe ich auch meine Liebe zum Tanzen gehen wieder gefunden. Und das ist in regelmäßigen Abständen einfach voll nötig. Mal alles raus lassen. Und dann stören auch die ganzen verschwitzten Körper um einen herum, die manchmal mehr als interessiert an engerem Kontakt sind, nicht mehr.
So im Allgemeinen habe ich auch festgestellt, dass ich hier viel mehr auf mein Äußeres achte als in Deutschland. Risse in den Klamotten sind nicht drin, genauso wie dreckige Füße/Schuhe oder Kleidung. Die Tansanier sind da unglaublich eitel und ordentlich. Selbst die Menschen mit beschränkten häuslichen Möglichkeiten sind immer sauber, ordentlich gekleidet. Auch zieht man sich immer ordentlich an, wenn man wo hingeht. In Deutschland hat mich dieser Sauberkeitswahn eher immer genervt. Und wenn man dann an Afrika denkt, hat ‘man’(ich) immer die Assoziation ‘ach da ist es ja auch egal’. Doch hier ist das ganz anders. Hier lässt man sich nicht gehen. Mir scheint, um so geringer die Mittel, um so wichtiger ist es, zu zeigen, was man hat.