19. April 2009

Hallihallo mal wieder,

 

Diesmal melde ich mich mal wieder ein bisschen rechtzeitiger.

Es ist Sonntagmorgen und wir vertrödeln den Tag ein bisschen damit sauber zu machen, Wäsche zu waschen und ein paar Mails und Briefe zu schreiben.

Eben gerade hat es wie aus Kübeln gegossen und jetzt steht der Hof komplet unter Wasser. Doch dafür ist es angenehm kühl. Leider sind wir beide voll angeschlagen…Halsschmerzen, Schnupfen, Husten…die ganze Mucke.

Doch heute Abend sind wir mal wieder zu einer Hochzeit eingeladen. Können uns also ein bisschen vom Kranksein ablenken.

Morgen fängt für mich ein ganz neuer Alltag an. Ich höre auf in der Mtoni-Schule zu arbeiten und fange dafür in Rebeccas Schule an.

Zur Erklärung muss ich wohl ein bisschen weiter ausholen.

Vor ca. zwei Wochen kam eine Freundin von einem unserer Vereinsleute aus Deutschand um mir mit meiner Resident zu helfen…ja, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben! Durch ein paar gute Kontakte saßen wir bald im Büro eines richtig hohen Immigration Beamten. Der Anfang war ziemlich schwierig. Er verstand einfach nicht, warum meine Schule mir nicht half, die Resident zu bekommen. Doch irgendwann merkten wir, dass er eindeutig auf unserer Seite war und er einfach nur geklärte Verhältnisse wollte. Also gab ich ihm die Nummer von meinem Chef. Ich versprach mir wirklich nicht viel von diesem Gespräch, da ich nicht erwartete von ihm Unterstützung zu bekommen. Doch er übertraf sich sogar selbst noch, als er am Telefon behauptete, ich würde nicht für die Schule arbeiten, wäre nur einmal dagewesen, um mich ein bisschen umzuschauen und wäre eigentlich als Tourist hier. Soviel Dreistheit hätte ich dann doch nicht erwartet und mir ist erstmal die Kinnlade runtergefallen. Doch dann hab ich dem Immigration Typen die Nummer von meiner Gastmutter (welche auch in der Schule arbeitet) und meiner Lehrerin gegeben und beide haben mich in höchsten Tönen gelobt und bestätigt, dass ich sehr wohl in der Schule arbeite. Nachdem ich auch noch ein Telefongespräch zu einem unserer Vereinsleute hergestellt hatte, waren endlich alle Zweifel aus dem Weg geräumt und man verprach uns, dass das mit der Resident auf jeden Fall klappen würde. Allerdings fehlten immer noch ein paar wichtige Informationen von meinem Arbeitgeber.

Als ich dies mit meiner Organisation besprach, entschieden wir, dass ich in Rebeccas Schule anfange, um alle wichtigen Unterlagen zu bekommen. Außerdem sei es wichtig, dem Chef von Mtoni zu zeigen, dass sein Verhalten absolut nicht in Ordnung ist. Der ganze Papierkram war dann kein Problem mehr und nach ein paar weiteren Immigrantion-Gängen habe ich den Ausstellungsschein nun endlich in der Hand. Jetzt kann nichts mehr schief gehen und es ist nur noch eine Frage der Zeit. Nach neun verdammten Monaten hat der ganze Scheiß jetzt eine Woche gedauert…kanns echt nicht fassen. Doch wenn ich Glück habe stellen sie mir die Permit für zwei Jahre aus, somit ist meine Rückkehr, zumindest was die Einreise angeht, gesichert :-) !!!!

Letzten Donnerstag hatte ich dann auch meinen letzten Tag in Mtoni. Es war irgendwie nichts besonderes. Hatte ein bisschen Kuchen mit und bin die ganze Zeit rumgerannt und hab mich von allen möglichen Leuten verabschiedet. Für die meisten kam es sehr überraschend, dass ich schon so früh gehe. Ich glaube, die Kinder haben das auch garnicht verstanden und somit denken jetzt wahrscheinlich zumindest die Kinder meiner Klasse, ich würde am nächsten Monat wieder in der Klasse stehen. Doch ich habe mir fest vorgenommen, noch ein paar Mal vorbei zu kommen. Einfach um die Kids auch noch mal zu sehen.

Im Grunde genommen hatte ich mich mit der neuen Situation ganz gut abgefunden. Ist ja immerhin auch ne neue Chance, neue Erfahrungen in der neuen Schule, etc. Und vor allem bin ich echt stink sauer auf meinen Chef und sehe garnicht ein, dass ich für den Typ noch irgendwas mache. Doch die Kids hab ich echt geliebt. Es macht so ungaublich viel Spass mit denen zu arbeiten. Sie haben mir soviel gegeben und mich manchmal so glücklich gemacht, wenn es mir wegen irgendetwas schlecht ging. Und selbst, wenn mich bestimmte Sachen in der Schule immer wieder angekotzt haben…ich hab es nie bereut, mich für das Projekt entschieden zu haben.

Na ja, jedenfalls geht’s morgen in die neue Einrichtung. Ich schwanke noch ein bisschen zwischen Vorfreude und kein Bock. Doch ich werde mich da einfach mal ein bisschen umgucken, mit Rebecca ein bisschen mitlaufen und sie in ihrer Arbeit unterstützen. Zusammen lässt sich sicher auch noch mal viel mehr machen, als allein. Wir haben auch schon ein paar gute Ideen für den Sportunterricht, den sie gerade erst mit viel Mühe durchgesetzt hat.

Und in zwei Wochen kommt ja auch schon Therese und dann wird erstmal sowieso alles anders und der Alltag wird ein bisschen in den Hintergrund rücken. Und den Juni haben wir dann erstmal frei und werden die letzten Winkel Tansanias erkunden. Das wird auf jeden Fall noch mal richtig geil.

Ansonsten haben wir jetzt auch endlich die Homepage für unser ‘Mwanza-Projekt’ fertig.

Für alle Interessierten: www.mountzionkids.npage.de

So, ich werde dann erstmal wieder Schluss machen. Wollte euch nur ein bisschen auf den neuen Stand bringen.

Liebe Grüße, eure Romy

 

                                               

                                                                                       Samstag, 25. April 2009

 

Ja, ich hab es immer noch nicht geschafft, den Bericht reinzustellen, doch dafür kann ich jetzt  noch was hinzufügen.

Seit gestern hab ich meine Resident! Zwei Jahre! Ein einzieges Blatt Papier…

Konnten das gestern Abend auch gleich noch ein bisschen feiern,  da wir für einen Freund aus unserer Schule (also meine neue Einrichtung: ‘Atlas Primary School’) den Geburtstag vorbereitet haben. Da er zu seinem Geburtstag nichts vor hatte, hatten wir beschlossen, ein bisschen bei uns zu feiern. Wir haben gekocht (Nudeln und Tomatensauce…wenn die Deutschen etwas kochen können, dann ja wohl das) und Kuchen gebacken, er hat Wein mitgebraucht. Zum Glück hatten wir noch ein paar Freunde von uns eingeladen, da das Geburtstagskind ziemlich schnell mit seiner neuen Flamme in meinem Zimmer verschwand :-) . Es war wohl eine einmalige Gelegenheit für Zweisamkeit. Wir in Deutschland haben da ja meistens alle Freiheiten, doch hier gibt es kaum Gelegenheiten und Orte, an denen man sich mit seinem neuen Partner treffen könnte. Und nach Hause kann man mit ihm/ihr sowieso auf keinen Fall gehen. Es gibt hier sogar bestimmte Gassen, in denen man abends im Schutz der Dunkelheit die Pärchen, eines nach dem anderen, stehen und knutschen sehen kann. Alles heimlich und versteckt. Ist schon traurig, wenn man drüber nachdenkt.

Na ja, eigentlich wollten wir gestern abend auch noch tanzen gehen, doch dann waren wir alle so vollgefressen von Pasta und Kuchen, dass die Bewegungsmotivation schnell in Schläfrigkeit wechselte.

 

Neuer Schulalltag

In der neuen Schule läuft es soweit ganz gut. Es ist nicht so schwer, sich einzugewöhnen. Die Schule ist von unserem Zuhause nur 5min zu Fuß entfernt und viele der Lehrer kenn ich schon durch Rebecca. Im Moment bin ich noch dabei ein bisschen rumzugucken. Doch ich denke, es wird dabei bleiben, dass wir mal hier, mal dort was machen und nicht in einer Klasse bleiben, sowie ich es in Mtoni hatte. Es ist auch längst nicht so einfach, sich einfach in irgendeine Klasse zu stellen und zu unterrichten. Die Klassenstärke beträgt im Durchschnitt so um die 50 Schüler. Das heißt, man braucht dann auch unglaublich vielel Materialen, will man nicht nur dem Lehrplan nachrennen und auch mal was anderes machen. Außerdem ist unsere Autorität nicht besonders groß. Man hat halt immer eher einen Kumpel-Status, wesshalb die Kids einen manchmal nicht wirklich ernst nehem, wenn es darum geht, sie zur Ruhe zu bringen. Dazu kommt, dass das Schlagen und Demütigen in der Schule zu den pädagogischen Maßnahmen der Lehrer zählt (habe es bis jetzt noch nicht selbst erlebt, doch von Rebecca schon so einiege Schauergeschichten gehört) und da wir nun mal keinen Stock in die Hand nehmen, scheren sich die Kinder einen Scheiß um unser Gelaber :-) ! Na ja, ich muss halt mal noch gucken, wo ich eine Lücke finde, in der ich etwas machen kann. Und zu zweit ist ja auch nochmal einiges mehr möglich.

Letzte Woche waren wir zum Beispiel auch mit drei Klassen auf einem großen “Sportplatz“ in der Nähe. Es waren unglaublich viele Kinder auf einmal und es ist unmöglich alle zusammen zu beschäftigen. Doch während die Lehrer die großen Gruppen beschäftigt haben, nahmen wir uns alle, die so rumstanden und haben mit denen Staffelspiele gemacht. Es ist unglaublich, wie die Kinder abgegangen sind. Sie waren total begeistert und wollten garnicht mehr aufhören. Ich war total begeistert davon, wie einfach es ist, den Kinder was auf Englisch zu erklären (da es eine Privatschule ist, wird mit den Kinder nur auf Englisch geredet). In Mtoni musste ich immer alles auf Swahili machen und selbst dann war es oft schwierig den behinderten Kindern begreiflich zu machen, was ich von ihnen will. Leider fing es irgendwann an, aus Kübeln zu schütten, wehalb wir den Sportunterricht früher abbrechen mussten. Die Kinder störte das garnicht. Sie rasteten völlig aus, rannten und tobten im Regen rum, schrien und lachten. Es war so schön zu sehen. Schließlich mussten wir aber doch alle wieder zur Schule zurück bringen, wo die Kinder, einmal vom Zauber des Regens ergriffen, garnnicht in den Klassen zu halten waren.

Völlig durchnässt aber superglücklich saßen Rebecca und ich auf der Terasse der Schule und wartete auf das Essen. Es ist unglaublich wie ansteckend Kinderfreude ist!!!

 

Vor ein paar Tagen haben wir uns mit einer Lehrerin der Schule unterhalten. Hier in Tansania ist es möglich, auch ohne eine Lehrausbildung, nur mit dem eigenen Wissen, an Schulen zu unterrichten. Viele jungen Leute machen das, um sich für ein paar Jahre Geld zu verdienen um danach zu studieren. Natürlich ist das Gehalt dieser ‘Aushilfslehrer’ ein Witz (selbst der Lohn, den die ausgebildenen Lehrer bekommen ist nicht ernst zu nemen). Und um sich ein paar Shilling dazu zu verdienen, gibt diese eine Lehrerin nachmittags noch Nachhilfeunterricht. Pro Schüler pro Stunde 5000Sh.  Wenn man das mit deutschne Verhälltnissen vergleicht, ist das ein Witz!

 

Vor zwei Tagen haben wir übrigens unseren Rückflug gebucht. Es ist noch nicht ganz fest, doch wahrscheinlich halten wir bald die Bestätigung in der Hand…das ist ein so komisches Gefühl. Ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist.