Donnerstag, 31. Juli
Jetzt habe ich lange nichts von mir hören lassen. Der Luxus des häuslichen Internets ist jetzt vorbei. Fortan müssen wir zum Internetcafe in die Stadt. Aber auch das wird gehen!
Die Jungs von Kawaida sind jetzt abgereist. Es war eine schöne Zeit, vor allem waren wir schon sehr froh, sie für die Anfangszeit dabei zu haben. Aber wir sind doch auch ganz froh, die Wohnung jetzt für uns zu haben.
Heute sind wir von unserem „kleinen Sansibarurlaub“ zurück gekommen. Die Fähre ist über Nacht gefahren. Wir haben kaum ein Auge zu gemacht. Rebecca schläft also gerade erstmal und ich warte eigentlich auf heißes Wasser, um meine Wäsche zu waschen. Ist im Moment, und ich glaube, dass es auch so bleiben wird, noch eine Handarbeit. Bei Hitze ist das ganz schön schweißtreibend und Blasen gibt es auch an den Fingern, aber es ist eine Arbeit zum Abschalten und Auspauern. Nur die Handtücher und Jeans (habe ja auch eh nur eine mit) geben wir der Familie zum waschen.
Am Freitag, also morgen, fängt auch der Alltag für uns an. Endlich geht’s in die Einrichtungen. Da war der kleine Abstecher, raus aus der Stadt, doch noch mal ganz gut. Schließlich sind wir ja, außer an den Wochenenden, jetzt vorläufig hier festgenagelt.
Nach Sansibar fahren regelmäßig Fähren verschiedener Preisklassen.
…jetzt gerade habe ich heißes Wasser; das muss ich nutzen! Bis gleich!…
…und jetzt ist gerade der Strom ausgefallen…also erst mal kein heißes Wasser mehr…muss auch so gehen!…
Wir hatten uns zwar sagen lassen, welche die Günstige ist, aber das half nicht viel. Erstens waren wir schon zu spät und zweitens stürzten sich sofort einige Männer auf uns, sobald wir den Hafen erreichten. Wir konnten weder in Ruhe gucken, noch auch nur eine Minute nachdenken. Jeder von denen wollte uns das Günstigste und Beste verkaufen. Da wir echt spät dran waren, war unsere Entscheidung mehr oder weniger freiwillig und auch sehr hastig getroffen. Natürlich wurden wir total verarscht (gehandelt wird echt überall) und haben viel mehr bezahlt, als erwartet.
Doch auf dem Schiff waren alle Sorgen schon wieder vergessen. Den Gedanken verdrängend, die Fähre könnte jeder Zeit den Geist aufgeben (sie ist wirklich fast auseinandergefallen) genossen wir die 4Stündige Überfahrt auf ganz tansanische Art, während das Schnellboot uns gleich zweimal überholte!
Während der Überfahrt wurde deutlich, wie unglaublich gesellschaftsfreudig die Menschen hier sind. In der ersten Zeit blieb so ziemlich jeder für sich. Doch am Ende sah man überall die Leute zusammen stehen, sich unterhalten, lachen. Man braucht einfach nur seinen Nachbar ansprechen und braucht für den Rest der Fahrt kein Buch mehr.
Den Abend genossen wir in Stone Town (der Hauptstadt von Sansibar). Unsere Unterkunft war bescheiden aber total süß: auf dem Dach des Hauses (konnten über die ganze Stadt gucken). Der arabische Einfluss war schon ganz schön beeindruckend: die Architektur, die Menschen, das Essen, es ist noch mal eine ganz andere Welt als Daressalaam. Total geil. Nur leider total von Touristen überlaufen! Dem entkamen wir, als wir am nächsten Tag mit dem Daladala (Bus) an der Küste entlang zu einem Dorf direkt am Meer fuhren. Neben den Passagieren wurden auch jegliche Art von Möbeln und „Haustieren“ (lebendig und nicht) transportiert, was die Sache zu einer lustigen Angelegenheit machte und die 2h Fahrt überbrückte.
Und somit lernten wir dann auch das tansanische Dorfleben kennen. Außer eine paar Unterkünften für Reisende, bestand der Rest der Behausungen aus Lehmhütten, vor denen Frauen Gemüse verkauften und Kinder im Staub spielten. Unser Zimmer lag direkt am Meer. Und der Strand übertraf alles, was ich in meinem Leben bisher gesehen habe!
Das Essen in dem Hostel war furchtbar teuer, doch sobald es Abend wurde hatte aller Hunger ein Ende. Wir brauchten nur einmal die Dorfstraße rauf und runter gehen und waren eingedeckt mit Köstlichkeiten. Kinder die Körbe mit Brot, Mandazi (Fettgebäck) und gebratenem Fisch auf dem Kopf trugen. An der nächsten Ecke Frauen, die im Licht einer Petroleumlampe Brot, Chapati und vieles mehr anboten. Noch ein Stück weiter bekamen wir Reis und Bohnen (für umgerechnete 60 Cent). Die Einheimischen haben sich mächtig gewundert, das da zwei Touris mit ihnen auf der Straßenkante sitzen und Reis mit Fingern essen. Aber sie haben sich auch total gefreut, als sie bemerkt haben, dass wir ein bisschen Swahili sprechen. Doch mehr als ein bisschen Geplänkel lassen unsere Sprachkenntnisse dann doch nicht zu. Spätestens als wir von einem Mann eine Heiratsanfrage bekamen, haben wir uns verdrückt.
Später folgten wir noch einer Einladung auf Lagerfeuer und nochmal Essen. Wir saßen inmitten von Menschen die wir nicht verstanden, die uns nötigten zu essen (es wäre unhöflich gewesen, dies abzuweisen), ziemlich viel kifften (entweder trifft man die absoluten Macho-HipHopper, oder pausenlos kiffende Rastas) und schließlich auch noch magere Englischkenntnisse hervorkramten (sofern der Zustand dies zuließ).
Das Frühstück am nächsten Morgen konnten wir leider nicht mehr so genießen, da sich unser Magen bemerkbar machte, der offensichtlich das Dorfessen nicht vertrug (laut Berichterstattung wird außerhalb der Stadt mit Motoröl frittiert…hätten wir auch gern vorher gewusst).
Am nächsten Tag zurück in Stone Town, war das Übel aber wieder vergessen. Den arabischen Köstlichkeiten an jeder Ecke konnten wir dann doch nicht widerstehen.
Neben den vielen Touries in Sansibars Hauptstadt trifft man auch relativ häufig auf andere Freiwillige mit amerikanischem, kanadischem oder sogar mehrmals deutschem Ursprung. Wir genießen diese Abwechslung: keine Sprachhindernisse und viele Erfahrungsberichte, die uns zeigen, dass wir nicht allein sind mit unseren Gewöhnungsschwierigkeiten.
Die Fahrt zurück nach Dar beschert uns eine Nacht auf dem Wasser. Somit kommen wir völlig übermüdet zurück in „unsere Heimat“ und verlaufen uns erstmal so richtig auf der Suche nach der Busstation (und das morgens um 5:30!). Doch der Anblick der langsam erwachendem Stadt und der Gedanke an unsere kleine Wohnung entschädigt dies. Als wir endlich, nach nochmals zwei Stunden „safari“ in unsere kleine, staubige doch mittlerweile vertraute (was uns erstmals in diesem Moment bewusst wird) Straße einbiegen, wird uns bewusst, dass wir schon einen ganzen Monat hier sind. Der Hof und das Haus sind nicht mehr nur eine kurzfristige Unterkunft, sondern ein Zuhause geworden. Wiedereinmal wird uns für eine hundertstel Sekunde bewusst, dass wir ein ganzes Jahr hier sind. Das stimmt uns einerseits ein bisschen melancholisch doch andererseits überwältigt uns das Gefühl in dieser immer noch sehr fremden Welt ein Zuhause zu haben. Da ist man gleich einmal mehr angekommen.
Nach einem freundlichen Willkommen von unseren Gasteltern war die Wiederkommensfreude jedoch gleich vorbei. Die „Vereinsjungs“ waren abgereist (was uns mittlerweile sehr recht ist). Doch sie haben einen heftigen Saustall hinterlassen! Wir waren so fertig, als wir das gesehen haben. Ich bin da ja eigentlich nicht zimperlich, doch das war echt der Hammer. Wurde auf jeden Fall eine schöne Putzaktion! Doch jetzt fühlen wir uns wie im Himmel.