Regen

 

So langsam kommen wir der Regenzeit auch immer näher. Das merkt man daran, dass es zwischendurch immer wieder so ein paar Regentage gibt. Da heißt es dann 2h strömender Regen, kurz trocknen, dann wieder Regen. Den einen Tag war ich in der Stadt (also im Stadtzentrum bei der Post) als es losging. Der Regen war so heftig, dass kurzzeitig alle Straßen unter Wasser standen und garnichts mehr ging. Es wahr auch unglaublich laut. Ist schon ein geiles Bild: erst sind die Straßen total vollgestopft mit Menschen und dann plötzlich hocken sie alle unter irgendwelchen Dächern. Für bestimmt ne halbe Stunde. Während ich irgendwann ungeduldig wurde und mir einen trockenen Weg gesucht habe (die müssen auch gedacht haben: wie blöde muss man denn sein…stimmt auch…war anschließend völlig durchnässt!) standen die Tansanier in völliger Ruhe und haben gewartet. Recht haben sie, was bringts sich aufzuregen. Und wenn’s doch mal langweilig wird, ist der Nächststehende bestimmt zu einem Pläuschen bereit. Auch geil ist, dass ich im ersten Moment dachte: Scheiße, total nass und verdreckt mit Schlamm (war auf dem Weg zum ‘Immigration Centre’ und hatte was ‘Anständiges’ angezogen). Doch auch das spielt keine Rolle mehr. Der Regen ist ein Teil des Zyklus und die Menschen geben sich diesem kompromisslos hin. Es ist dann normal, dass man, bis zum Knie im Wasser, zum Bus watet. Die Turnschuhe komplett durch…doch keine Miene verzogen. Die Frauen können noch so aufgetakelt sein…der Regen gehört dazu.

Zu dieser Zeit wird es dann auch immer angenehm kühl, weshalb Regen hier auch ’schönes Wetter’ bedeutet. Da kann ich nur zustimmen. Es ist einfach herrlich.

Tansanisch, Tansanisch

 

Doch nun zum tansanischsten Tag bisher überhaupt. Hätte ich nicht bereits ein bisschen afrikanische Gelassenheit aufgeschnappt…ich hätte mehrmals täglich geheult. Statt dessen haben wir unglaublich viel gelacht, da es manchmal einfach nicht mehr zu fassen war. Erstaunlicher Weise, war es gleichzeitig auch mein Geburtstag!

 

Nach einem unglaublich schönen Geburtstagfrühstück, von Rebecca bereitet, hatten wir folgenden Plan: in die Stadt fahren, um Briefe bei der Post abzugeben, einen Brief beim ‘Immigration Centre’ abzugeben, ins Einkaufszentrum um für das Geburtstagsessen einzukaufen. Eigentlich keine große Sache…denkste…ein ganzer Tag ging da drauf. 1h auf den Bus gewartet, 2h mit dem Bus in die Stadt (normalerweise ½h), 10min bei der Post, wieder 1h Bus im Stehen (für eine Strecke von 15min), 2h einkaufen, wieder Bus…kurz Pause zu Hause…Mehl für den Pizzateig kaufen…feststellen, dass das Mehl für Ugali gedacht war (leider erst festgestellt, nachdem der Teig schon eine Stunde gegangen war)…wieder von vorne anfangen…die Zeit rennt…Kuchen backen…der Ofen geht nicht…wurde abgestellt…rüber zur Familie…Grundsatzdiskussion über die Miete und den Gebrauch des Herdes…dann doch endlich den Kuchen in den Ofen…auf halber Strecke Stromausfall…Kerzen kaufen…alles im Dunkeln weiter…die Gäste trudeln so langsam ein…Kuchen noch nicht mal fertig…der Pizzateig geht wenigstens auf…tausend Dank!!!…doch ohne Strom kein Ofen, keine Pizza…scheiße, scheiße, scheiße…Strom wieder da…die ganze Küche steht unter Wasser…Schaden an der Leitung…wieder rüber zur Familie…’können wir erst Morgen reparieren’…also jetzt Wasser aus dem Bad holen…den Boden mit den Vorhängen aufwischen, da nicht genügend Handtücher da sind…doch ‘in the end’: Kuchen und Pizza supergeil und selber total erledigt. Wovon? Vom Kochen. Na super!!! War trotzdem ein geiler Abend!!!

Aberglaube

Wir wurden hier schon öfter mit einer bestimmten Story konfrontiert. Da laufen wir in Tanga so am Strand lang. Da kommen plötzlich zwei Typen und fragen uns ob wir Deutsche wären und ob wir mit ihnen nach Arusha kommen könnten um ihnen zu helfen das Gold zu bekommen. Wir kannten die Story schon und meinten wir kämen aus Östereich. Sofort ließen sie von uns ab und verloren das Interesse.

            „Als die deutschen Kolonialherren das Land verließen waren sie in großer Eile. Sie konnten nicht alle ‘Schätze’ mitnehmen, die sie in Tansania gelagert hatten. Desshalb bargen sie Gold, Diamanten und viele andere Sachen unter der Erde (in Arusha,Manyara) und hinterließen ein paar Zeichen um den Ort zu kennzeichnen. Außerdem brachten sie ’some witchcraft’ an, um zu verhindern, dass ‘tansanian people’ die Sachen ausgraben könnten. Wenn sie es versuchen, geschehen ominöse Dinge, die auf die Zaubersprüche, die ‘medicine’, der Deutschen zurückzuführen sind. Doch viele Deutsche waren bisher fähig, die Sachen zu nehmen.“

Richtige Experten arbeiten an der Geschichte und die meisten Tansanier glauben es. Sie fürchten sich dort hin zu gehen. Sie fürchten, dass ihnen etwas passieren könnte.

Körperkontakt

 

An die Kontaktfreudigkeit der Tansanier habe ich mich schon ganz gut gewöhnt. Wenn man z.B. jemandem zur Begrüßung die Hand gibt, halten sie die manchmal für ne ganze Minute fest. Da steht man dann, Händeschüttelnd und denkt sich: ‘langsam reichts aber’. Oder wenn irgendwer einen Witz macht, schlagen sie gerne mal mit der Hand ein. Oder sie laufen Hand in Hand die Straße entlang. Auch Männer voll oft Arm in Arm. Oder einfach mal den Arm um jemanden legen, etc. Alles so Sachen, die in Deutschland überhaupt nicht laufen. Da würde man immer gleich denken, zwischen den beiden läuft was. Hier ist das völlig normal.

Da ich mich daran schon ganz gut gewöhnt habe, habe ich auch meine Liebe zum Tanzen gehen wieder gefunden. Und das ist in regelmäßigen Abständen einfach voll nötig. Mal alles raus lassen. Und dann stören auch die ganzen verschwitzten Körper um einen herum, die manchmal mehr als interessiert an engerem Kontakt sind, nicht mehr.

 

So im Allgemeinen habe ich auch festgestellt, dass ich hier viel mehr auf mein Äußeres achte als in Deutschland. Risse in den Klamotten sind nicht drin, genauso wie dreckige Füße/Schuhe oder Kleidung. Die Tansanier sind da unglaublich eitel und ordentlich. Selbst die Menschen mit beschränkten häuslichen Möglichkeiten sind immer sauber, ordentlich gekleidet. Auch zieht man sich immer ordentlich an, wenn man wo hingeht. In Deutschland hat mich dieser Sauberkeitswahn eher immer genervt. Und wenn man dann an Afrika denkt, hat ‘man’(ich) immer die Assoziation ‘ach da ist es ja auch egal’. Doch hier ist das ganz anders. Hier lässt man sich nicht gehen. Mir scheint, um so geringer die Mittel, um so wichtiger ist es, zu zeigen, was man hat.

So, So, So…

Jetzt hab ich es endlich mal geschafft, mich an die Berichte zu setzten. Ein grosses Sorry an alle.

Aber jetzt viel Spass beim lesen.

Mtoni-Schule, Sign-Language

 

 

 

Donnerstag, 21. August

 

Frisch geduscht und trotzdem schon wieder komplett durchgeschwitzt. Macht nichts. Bin ja nicht die Einziege hier.

Nach der Arbeit bin ich meistens ziemlich geschafft. Wenn ich los gehe ist es genau die Zeit der Mittagshitze (ca. 14 Uhr) und da ist jede Bewegung eine Überwindung. Endlich im Dala kommt mir dieser fast wie eine Oase vor, was man meistens nicht gerade behaupten kann. Glücklicher Weise ist der Bus an meiner Haltestelle meistens leer, weshalb ich sogar einen Sitzplatz bekommen (auch das ist Luxus!!!). Wenn der Tag es dann noch besser mit einem meint, findet man dann auf dem Weg nach Hause vielleicht sogar noch ein Kaffeeständchen. Und das ist dann wirklich ein übernatürliches Glücksgefühl.

Heute Abend sind wir mit ein paar deutschen Mädels, die für ein paar Monate ein Unibezogenes Praktikum in Dar machen, zum Kino verabredet. Also mal echt Luxus!!! Deutsche Gespräche und englischer Film…muss aber auch mal sein. Das ist zwischen all dem Swahili- und Englischgebrabbel echt angenehm.

 

Freitag, 22. August

Mtoni-Schule

 

Freitag fährt ein Teil der Schüler immer ins nahegelegene Stadium zum Sport. Ein kleiner roter, schrottiger Pick-Up, alle Kinder hinten reingequetscht und los geht’s.

Da nicht alle Kinder ins Auto passen, ist der Andrang auf die wenigen Plätze äußerst begehrt. Da wird geschrien und in die Luft gesprungen um die Aufmerksamkeit des Lehrers (Mwalimu, mwalimu. Mimi, mimi./Lehrer, ich, ich) zu erhaschen und die benachbarte Konkurrenz wird mal so eben aus dem Weg gekickt. In der Sporthalle geht das Gestreite gleich weiter: wer darf als erstes Fußball spielen, wer bekommt jetzt den Ball, wer darf jetzt mit „mwalimu Romy“ spielen (manchmal ist ist es echt heftig, wie sie an mir rumzotteln und sich um mich streiten…).

Egal wie groß die Behinderung des Kindes ist, der Spaß an der Bewegung ist riesig! Mit den etwas fitteren werden Ballspiele wie z.B. Fußball, Handball oder Volleyball gespielt. Das bekommen die dann auch ganz gut hin. Beim letzten mal wurden mit dem Rest einfache Renn- oder Ballübungen gemacht. Heute war es leider so, dass viele Kinder einfach so rumgesessen haben, während die paar wenigen gespielt haben. Und das obwohl es wahrlich genug Lehrer gab. Diese sitzen aber auch gern mal rum, oder haben selber soviel Freude am Ballspiel, dass sie vergessen, warum sie eigentlich da sind. Das ist kein Absicht und auch garnicht böse gemeint. Ist nur so’ne typische tansanische Eigenschaft: das Rumsitzen. Und dann habe ich das Gefühl, dass es da auch einfach noch am Bildungssystem scheitert. Die Lehrer kommen einfach nicht auf die Idee, dass ja auch zwei Kindergruppen gleichzeitig beschäftigt werden können. Das merke ich auch immer wieder beim Singen auf dem Schulhof. Da wäre es auch viel einfacher für das Personal und viel schöner und auch effektiver für die Schüler wenn man die Gruppe einfach teilen würde. Stattdessen schreien sie lieber irgendwann rum, weil sie die Kids nicht mehr ruhig bekommen.

Heute habe ich mir dann einfach ein paar Einzelne geschnappt. Die meisten von denen haben schon große Schwierigkeiten einen Ball zu fangen, geschweigedenn sich gegen die anderen durch zusetzen um ihn überhaupt zu bekommen. Doch sie freuen sich riesig, wenn man mit ihnen spielt und wenn sie dann auch noch den Ball fangen, kriegen sie sich garnicht mehr ein. So einfach und vielleicht auch eintönig das für mich dann sein kann, so viel Spaß macht es sich mit den kleinen Rackern zu freuen.

Wenn ich in der Schule aus dem Unterricht komme und es noch kurz Zeit bis zum Essen ist, gehe ich meistens in die Küche und suche mir dort irgendeine Arbeit. Das ist eine gute Abwechslung. Es geht einfach nicht, dass den ganzen Tag irgendwelche Kinder an einem rumzerren und einem ins Ohr schreien. Da brauch man auch mal eine Pause. In der Küche kann ich dann helfen, das Mittagessen vorzubereiten und ein bisschen mit den Mamas da quatschen. Das stelle ich mir am Lehrerberuf auch echt schwierig vor. Den ganzen Tag muss man zur Verfügung stehen. Auch in anderen Berufen. Immer die gleiche Tätigkeit. Das sollte so organisiert sein, dass man da ein bisschen hin und herspringen kann. Da ist man irgendwann nicht so ausgebrannt und es ist auch viel angenehmer.

Ok, jetzt Schluss mit dem Theoriescheiß.

 

In den nächsten Tagen zieht wahrscheinlich Pauls Mum hier aus. Eigentlich wollte sie sich ein Haus kaufen, doch erst mal zieht sie in eine Wohnung nach Sansibar. Abgesehen von den Streitigkeiten zwischendurch, die auch ziemlich laut geworden sind, haben wir uns mit der echt gut verstanden. Die Frau ist wirklich sehr gesprächig! Für mich sogar manchmal ein bisschen zu doll. Doch sie hat echt Ahnung. Hat lange Zeit als Journalistin gearbeitet und gehört sozusagen zur späteren 68er-Generation. Wir hatten also so einige Abende mit Bier und Gesprächen die wirklich geil waren. Man kann gut mit ihr diskutieren! Wenn sie weg ist, ist auch das kleine Zimmer hier frei. Ich habe mir überlegt, dass ich dann dahin umziehe. Im Moment wohne ich ja noch mit Rebecca in dem großen Zimmer mit dem Doppelbett, da das kleine bei unserem Einzug von Johann (Verein) bewohnt wurde. Wir kommen super miteinander klar. Hätte ich nie gedacht, dass ich mir für so lange Zeit ein Zimmer mit jemandem teilen kann.

Trotzdem hatte ich in der letzten Zeit das Bedürfnis mal die Tür hinter mir zu zumachen und nicht gesehen zu werden. Auch ist es dann morgens und abends viel einfacher, da ich meistens früher raus muss und wir abends auch nicht immer zur selben/gleichen (werd ich wohl nie lernen…) schlafen gehen.

 

Sign-Language

 

Seit einer Woche mache ich jetzt den Kurs für „Sign-Language“. Der neue Pastor, der jetzt ungefähr genauso lange an der Schule ist wie ich, hatte das Projekt vorgeschlagen, da es an der Schule viele Kinder gibt, die aufgrund ihrer Behinderung nicht richtig sprechen können. Langfristig soll es darum gehen, die Sprache an der Schule einzuführen um somit auch den „sprachlosen“ Kindern die Verständigung zu erleichtern. Im Moment überlege ich gerade, ob das nicht schwierig werden könnte, da viele von den Kindern ja auch Motorikprobleme haben. Außerdem war der Pastor genau einmal mit mir da (beim ersten Mal). Der hat entweder viel zu tun, was durchaus sein kann, oder er ist mal wieder einfach nur Tansanier.

Ich bin von der Idee auf jeden Fall sehr begeistert. Mal angenommen, wir schaffen es tatsächlich in der Schule damit anzufangen, wäre das langfristig gesehen eine super Sache an der ich auch echt Lust hätte mitzuarbeiten. Doch da muss man hier Geduld haben. Es wäre nicht das erste Mal, dass Sachen mehr versprechen, als sie letztendlich hergeben. Doch ich weiß zumindest von einer anderen Assistentin (es gibt außer den Lehrern noch so einige Assistenten an der Schule, die für’s kochen, putzen und die Beaufsichtigung der Kinder außerhalb des Unterrichts zuständig sind) die den Kurs auch gemacht hat. Na mal sehen, was das wird.

Der Kurs findet in einem Center der Organisation „CHAVITA – Tansania Association Of The Deaf“statt. Mir macht es im Moment auf jeden Fall ziemlich viel Spaß. Nach den ersten paar Malen, nachdem es dann auch thematisch komplexer wurde, hatte ich so meine Schwierigkeiten. Viele der Wörter verstand ich einfach noch nicht. Am Anfang war ja der Pastor noch da und hat mir die Sachen, die ich nicht wusste, bereitwillig übersetzt. Als er nicht mehr da war, wurde es schon ganz schön frustrierend da ich mit meinem Gefrage auch nicht immer unterbrechen und den Unterricht aufhalten wollte. Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass die anderen Teilnehmer nicht genervt und auch nicht abgeneigt waren mir zu helfen. Auch der Lehrer fragt jetzt oft nach, ob ich hinterherkomme und die Wörter verstehe. Darin zeigt sich eine sehr angenehme Eigenschaft der Tansanier, von der sich die Deutschen ruhig mal eine Scheibe abschneiden könnten. Sie sind unglaublich hilfsbereit. Auch wenn’s mal länger dauert sind sie nicht genervt und meckern rum, sondern versuchen mit allen ihnen möglichen Mitteln dir zu helfen. So kramen jetzt halt auch alle anderen Mitglieder ihre kleinen Englischsprachkenntnisse herraus und die Sache läuft.

Jetzt haben wir angefangen, kleine Geschichten zu lesen und diese dann anschließend mit den Händen zu erzählen. Dabei habe ich gemerkt, dass das auch mein Swahili enorm weiterbringt. Die Geschichten sind sehr einfach geschrieben und es kommen für mich immer nur einige neue Vokabeln dazu. Da muss man sich zwar mal auf den Hosenboden setzten und ein paar Vokabeln lernen, doch zum Teil lerne ich die auch automatisch durch die Handzeichen und das ständige Wiederholen dieser.

 

Was mir aber aufgefallen ist, dass die Menschen hier offensichtlich einen großen Hang zum Auswendiglernen haben. Die anderen Teilnehmer sollen z.B. immer die Geschichten dann aus dem Kopf vortragen. Mir wird das gütiger Weise dann immer vorgelesen. Doch den Menschen wird das Auswendiglernen hier auch in der Schule schon reingeprügelt (im wahrsten Sinne des Wortes!). Rebecca und eine andere Freundin die hier beide in Grundschulen arbeiten, haben erzählt, dass die Kinder zum größten Teil nichts aus eigenem Impuls tun können. Weder allein etwas zeichnen, noch anderweitig kreativ sein. Das Problem ist, dass sie das auch garnicht müssen. Die Lehrer verlangen von ihnen nur, dass sie leise sind, alles von der Tafel abschreiben und es schließlich auswendig wissen. Da muss auch nichts angewendet oder umgesetzt werden. Einfach nur rein damit.

 

 

Sonntag, 24. August

 

Es ist wirklich unglaublich, wie laut es an einem Sonntag Morgen hier ist! Entweder ist irgendwo drum herum ein Gottesdienst, oder irgendeine Duka meint, die Sonntagskunden besonders gut anlocken zu können, indem sie sie überschnell aus dem Bett befördert. Doch offensichtlich haben nur wir das Problem. Die Tansanier sind eher die Frühaufsteher. Also eben auch wir. Innerhalb kürzester Zeit sind wir aus den Federn.

Gestern waren wir bei einer Charity-Veranstalltung. Eingeladen waren wir von der Mama unserer Gastfamilie. Wir sind also zusammen dort hin gefahren, haben jedoch den ganzen Tag allein dort verbracht, da die Mama kurzfristig entschieden hatte, jemanden vom Flughafen abholen zu müssen. Die große Attraktion der Veranstaltung war ein Ziegenrennen. Die Einnahmen aus den Wetten wurden dann verschiedenen Projekten und Organisationen (Schulen, Vereine für Gehörlose, Krankenhäuser, etc.) gespendet. Es gab viel High-Society, überteuertes Essen und schicke Hüte. Wir begnügten uns also den Tag über mit Brot, Cola und und ein paar Beobachtungen aus dem Hinterhalt. Trotz der Langeweile war es auch mal interessant, zu sehen, wie so etwas abläuft. Klar kommt da auch extrem viel Geld in die Projekte. Ob sich die reichen Anwesenden damit nun profilieren oder nicht…ich hätte das Geld nicht.

Leider nahm der Tag dann ein weniger gutes Ende, da die Mama vergessen hatte uns abzuholen. Als wir uns bei ihr meldeten hieß es dann, sie hätte noch viel zu arbeiten und ob wir nicht ein Taxi nehmen können. Der Tag ist also niemals zu Ende, wenn man es denkt; eine Überraschung gibt es auf jeden Fall immer noch. Nachdem das Taxi dann unsere Geldbeutel gesprengt hatte, fanden wir auf dem Nachhauseweg zumindest noch was anständiges zu Essen. Der Reis, der uns schon fertig gekocht in Plastiktüten in die Hand gedrückt wurde, fand später seine Begleitung in Tomatensauce mit Bananen und Nüssen und war genau das richtige, um uns friedlich zu stimmen.

Sonntag, 17. August

 

 

 

Daressallam, Sonntag, 17. August

 

Wie geht es euch so. Ich hoffe gut. Natürlich was sonst.

 

Bei uns sind die Wochenenden eine Mischung aus Aktion und Unternehmung und Gefaulenze. Das ist bei der Hitze auch echt geil. Gestern waren wir den ganzen Tag am Strand. Ein paar deutsche Mädels aus der Stadt, die wir kennen gelernt haben, und die ganze Horde tansanischer Jungs, die uns hier ja nicht mehr von der Pelle rücken. Obwohl ich ja garnicht so ein fanatischer Strandtyp bin, genieße ich das schon ziemlich, einfach mal so rumzuliegen, nichts zu machen, ein bisschen zu quatschen…einfach mal mein ständig arbeitendes Hirn abzustellen. Auch wenn das dieses Wochenende nicht so einfach ist. Mich plagt ein kleines Heimweh. Und da ist das Nichtstun dann doch nicht so gut.Doch ich nehme mir Zeit dafür. Muss auch sein! Ich war ja die ganze Zeit von netten Menschen umgeben, die mich auch verstanden haben und meine Sehnsucht ein bisschen kompensieren konnten. Für solche Zwecke ist es schon ganz geil ein paar Deutsche um sich zu haben.

Abgesehen davon ist mir mal aufgefallen, wie selbstverständlich mittlerweile die Kommunikation in Englisch ist. Mit dem Swahili stoße ich natürlich immer wieder an meine Grenzen. Dadurch laufen viele Gespräche auf Englisch, dass die jungen Leute hier ebenso gut sprechen wie wir. Und, dass das mittlerweile ohne Hemmung und außerordentliche Schwierigkeiten läuft, ist doch was wert. Das mildert ein bisschen die genervten Momente, in denen einem der Swahiliwortschatz so unendlich groß vorkommt.

Morgen geht die Arbeit wieder los. Die dritte Woche. So langsam nervt mich dieses Rumgesitze zwischendurch immer mehr. Einfach, weil ich erkennen muss, dass es irgendwie anscheinend doch normal ist. Andererseits lebe ich mich in der Schule auch immer mehr ein, wodurch sich immer mehr Möglichkeiten ergeben, was man so tun kann. Und zwischendurch merke ich halt auch immer wieder, wie geil es ist, so richtig was mit den Kinder zu machen. Wie erfüllt man hinterher davon ist. Und wie viel Spass diese Arbeit eigentlich machen kann. Doch es wird sich alles zeigen!

Was mich mittlerweile voll nervt, ist die geringe Sachenauswahl. Bis jetzt ging es absolut, doch mittlerweile würde ich schon gerne mal wieder was anderes anziehen. Wahrscheinlich werden wir demnächst einfach mal losstiefeln und ein bisschen was einshoppen. Vielleicht ein tansanisches Mädel mitnehmen und uns ein bisschen was zeigen lassen.

Ansonsten geht es mir wirklich sehr gut und der Laden läuft. Esst mal was schönes für mich. Am besten einfach nur ne geile Käsestulle. Das vermiss ich nämlich am meisten.

 

Seid ganz lieb gegrüßt, von eurer weit entfernten Romy

 

Bis bald, und gehabts euch wohl (son Quatsch) :-)

Freitag, 08. August

 

 

Donnerstag, 07. August, 16:52

 

Inzwischen ist es sogar ziemlich warm hier. Um die Mittagszeit, wenn ich mit dem Bus von der Schule nach Hause fahre, läuft das Wasser. Und eben habe ich Wäsche gewaschen und das ist ohne Ventilator echt nicht vorstellbar (obwohl es wahrscheinlich auch ohne gehen würde/müsste).

Heute hatte wir in der Schule Sport. Die Kinder sind wirklich unglaublich bewegungsfreudig. Vor allem streiten sie sich darum, wer mit mir was machen darf. Und mir fehlen leider immer noch so viele Wörter. Das kann auf Dauer echt nervig sein (aber morgen ist frei und da werde ich erst mal noch mal ne dicke Lektion Swahili machen). Außerdem war ich viel schneller k.o als die Kinder…so früh am Morgen…da bin ich ja immer gerne ein bisschen muffelig. Aber die Kinder heizen einem ordentlich ein, da ist kein Platz für deutsche Muffelliesen.

Jetzt bekommen wir erst mal noch WG Zuwachs. Von Paul die Mutter kommt für eine Woche (glaub ich) und wird das kleine Zimmer bei uns nehmen. Freu mich schon drauf, wird bestimmt lustig.

 

Freitag, 08. August

Unsere neue Mitbewohnerin ist sehr nett. Aber eine absolute Plappertasche. Das ist echt der Wahnsinn. Wird bestimmt noch interessant.

Donnerstag, 07. August

 
 
Donnerstag, 07. August
 
Hi ihr Lieben,
 
Jetzt hab ich endlich mal Zeit, euch mal wieder zu schreiben. Eigentlich wollte ich gerade laufen gehen, aber auf dem Unisportplatz ist irgendeine Veranstalltung und da hatte sich das eben wieder erledigt. Aber das nehm’ ich dann eben mal ganz tansanisch: polepole (ganz langsam)!
 
Ich erzeahl einfach mal was!

Tod
Hier wird man ganz anders mit dem Tod konfrontiert als bei uns in Deutschland. Ein Mädel zB, dass wir kennen gelernt haben, hat uns per SMS geschrieben, dass ihr Onkel gerade gestorben ist. Einfach so. Wir waren schon ein bisschen geschockt. Aber Paul, der daneben saß, meinte gleich, dass sowas hier ganz normal sei. Ein bisschen heftig ist das schon, zumal wir sie ja garnicht so gut kennen. Andererseits wird dieses Thema ja bei uns schon ganz schön unter den Tisch gefegt und das finde ich auch nicht richtig.
 
Mit den Menschen hier wird es immer komischer. Der kulturelle Unterschied ist wirklich voll groß. Da gibt es dann erst mal viel zu erfahren. Und da darf man halt nicht den langen Atem verlieren. Aber das ist noch so eine Sache für sich. Die erzähl ich euch mal extra. Im allgemeinen haben wir sowieso schon festgestellt, dass wir zwar viel über Afrika vorher wussten, aber unser Bild doch sehr naiv war. Klar, wie sollte es auch anders sein. Aber ist schon krass festzustellen.
Auf jeden Fall bekommen wir jetzt Neuzuwachs in unserer WG. Von Paul die Mum kommt für eine Weile hier her und bekommt erst mal Unterkunft. Ist es ja erst mal ne geile Sache. Freue mich auf jeden Fall drauf.

3. August

 

 

 

Sonntag, 03. August, 00:31

 

Bei mir läuft im Moment eigentlich alles nach Plan!

Abgesehen davon, dass mich total nervt, dass man (oder ich) hier nicht so richtig was schaffe.

Das liegt einerseits an dem tansanischen Zeitempfinden, wodurch viele Sachen einfach mal länger dauern. Wir haben einen ganzen Nachmittag damit verbracht, in unserem Viertel nach einem Internetcafe zu suchen. Alle meinten immer: ja, da vorne ist eins, der eine meinte an der nächsten Ecke links lang, der nächste sagt dir nächste Ecke rechts. Und sollte man es dann doch finden, heißt es immer nur: hamna/gibts nicht. Diese Sache kann an sich ganz spaßig sein, wenn man irgendwann noch Erfolg hat. Ansonsten finde ich es schon ganz schön frustrierend…

Aber die Meckerei hat noch nicht ganz ein Ende. Ich komme nämlich im Moment nicht an mein Geld ran. Ich glaube ich habe beim letzten Geldabholen den Internetbanking-Pin mit dem normalen vertauscht und jetzt ist glaube ich meine Karte gesperrt. Jetzt muss ich erstmal in Deutschland anrufen, was die da machen können. Und das kann dauern, bis ich hier was anständiges zum telefonieren gefunden habe. Und die in der Barkleys haben irgendwie auch keinen Plan. Seit einer Woche habe ich also kein Geld mehr und muss mir immer was von Rebecca leihen. So langsam nervt das echt.

Ohne Geld kann ich nicht ins Internetcafe, kann keine Briefe abschicken, kein Essen kaufen und keinen Bus bezahlen. Aber das wird schon.

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